Dossierbild Years of Change 2021

Magazin #2021

Thomas Krüger

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,
in der Hand halten Sie die dritte und letzte Ausgabe des Magazins "The Years of Change 1989- 1991". Dreißig Jahre sind seit diesen epochalen Ereignissen vergangen, doch werden wir aktuell von diesen Erinnerungen eingeholt. Gemeinsam mit Wissenschaftler*innen, Journalist*innen und Schriftsteller*innen möchten wir dieses Phänomen ergründen, verstehen oder einfach nur be­schreiben.

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Karl Schlögel

Ein anderer Blick zurück – 30 Jahre danach

Wir, die wir dabei gewesen sind in diesem „wahnsinnigen Augenblick“, als die Mauer fiel, werden das Gefühl des Glücks nie vergessen. Aber das ist nur eine Erinnerung, und dreißig Jahre danach ist es Zeit, zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass die 89er um die Früchte der glorreichen Umwälzung jener Jahre gebracht worden sind.

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Dejan Djokić

Über Grenzen und Gedenken (1921–1941–1991– 2021)

Der gewaltsame Zusammenbruch Jugoslawiens vollzog sich bereits, als die slowenische Territorialverteidigung im Juni 1991 einige Grenzposten einnahm und auf die jugoslawische Volksarmee stieß. Acht Jahre später dann übernahmen internationale Friedenstruppen die Kontrolle über die bis dahin rein administrative Grenze zwischen Kosovo und Serbien. Zuvor war es von März bis Juni 1999 zu einem Krieg zwischen der jugoslawischen Armee, der NATO und kosovo-albanischen Guerillas gekommen.

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Viktor Martinowitsch

Die Sowjetunion ist nicht überall zerfallen

Mit neun Jahren wurde ich feierlich in die Pionier­organisation aufgenommen. Ich musste das Ge­löbnis auswendig lernen ("Ich gelobe zu leben, zu lernen und zu kämpfen, wie es Lenin lehrt") und ein rotes Halstuch kaufen. Die Feierstunde war so pathetisch, dass mein Klassenkamerad Sascha prompt in Ohnmacht fiel.

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Volha Hapeyeva

schwierige arithmetik

diejenigen, die heute über achtzig sind
erinnern sie sich noch daran, wie des nachts die nachbarn plötzlich verschwanden
verwandte zu volksfeinden wurden
- personen mit falschen nachnamen
gefährlichen ideen
schädlichen büchern
die nicht die richtigen sprachen sprachen
wie fast jeder im haus ein kleines haustier hatte
mit dem spitznamen angst

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Maša Kolanović

Immunität gegen das Unglück

Dreißig Jahre danach. Die Welt kämpft gegen eine Coronavirus-Pandemie, die “unsere“ Lebensart verändert hat, unsere Rituale und alle Annehmlichkeiten, an die wir uns gewöhnt haben und die uns als Selbstverständlichkeit vorgekommen sind. Es ist schwer aufzuzählen, was alles dazugehört: zur Arbeit und in die Schule gehen, Freunde und Verwandte treffen, reisen, offene Grenzen überqueren bis hin zu jedweden Plänen für die Zukunft ...

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Serhij Zhadan

Die Zeit, in der sich die Luft veränderte

1989 war ich zum ersten Mal auf einer Kundge­bung. Ich weiß nicht mehr, worum es dort ging, aber man sah mehrheitlich blau-gelbe Fahnen. Das kommunistische System zählte seine letz­ten Tage, und die Einwohner von Charkiw — einer sowjetischen Industriemetropole — fingen plötz­lich an, auf den Straßen und Plätzen zudemons­trieren; der demokratische Charakter der Stadt kam zum Vorschein.

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Stanislaw Assejew

Stanislaw Assejew

Heidegger schrieb, nur in der Biografie hole das besinnende Denken das rechnende Denken ein. Letzteres versucht, den Menschen zu vereinheitlichen, sein Wesen auf Zahlen, Nutzen und das Maß des Wohlbefindens zu reduzieren. Einzig in der Betrachtung der eigenen Biografie erschließt sich dem Einzelnen der tatsächliche Sinn der Vergangenheit.

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Ljubow Jakymtschuk

Die Freiheit der Bergarbeiter und Autoren

Eine kleine Siedlung städtischen Typs, städtisch waren daran allerdings lediglich die Kohlegrube und die Haldenkegel, die noch von unserem Hof aus zu sehen waren. Wenn der Haldenkegel qualmte, hieß das, die Grube war in Betrieb, also würde es auch Gehalt geben. Diese Regel galt allerdings nicht immer, manchmal war es auch so: Der Haldenkegel qualmte, und vom Monatslohn wurden nur zwei Prozent ausbezahlt.

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Christian Neef

Christian Neef

Wenn ich die Zeit vor dreißig Jahren mit der heutigen Lage Russlands vergleiche, ertappe ich mich mitunter bei dem Gedanken: Es ist fast alles wieder wie früher, in der UdSSR. Die Einparteienherrschaft ist zum autoritären Präsidialregime mutiert, die Wirtschaft weiter bar jeder Innovation, die Zivilgesellschaft zum Schweigen gebracht, das Land schaut statt nach vorn nur zurück.

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Ignaz Lozo

NATO-Osterweiterung: Die Legende von gebrochenen westlichen Versprechen

Ob es nach dem Mauerfall 1989 zur deutschen Einheit kommen würde, hing davon ab, ob die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs sich über die militärische Bündniszugehörigkeit Gesamtdeutschlands verständigen würden. Nachdem der Westen jahrzehntelang Freiheitsrechte für DDR-Bürger eingefordert hatte und verbal für die Überwindung der deutschen Teilung eingetreten war, kehrte sich diese Haltung zunächst ins Gegenteil um...

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Rumena Buzarovska

1991 und 30 Jahre danach

Es fühlt sich seltsam an, darüber zu schrei­ben, wie die Dinge vor dreißig Jahren waren und wie sie jetzt sind, denn da ist immer diese Angst, wie eine Art überlebende Laborratte betrachtet zu werden. Ich bin keine überlebende Laborrat­te, denken Sie bitte daran, wenn Sie dies hier lesen! Und denken Sie vielleicht auch darüber nach, woher dieses Gefühl kommen könnte. Nachdem ich das klargestellt habe: Was soll ich dazu sagen, wie es heute ist, nach dem Zerfall? Nicht besonders gut. War es damals besser? Das glaube ich nicht. Die Lage ist heute vermutlich besser denn je zuvor. Doch sie ist definitiv nicht gut genug.

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Haska Shyjan

Hallo, Mickey!

In meiner Erinnerung schwingt der Sommer 1989 wie Mickey Mouse, die an der einen Hand Lenin, an der anderen Jesus hält. Diese imaginierte Figur zeigt ihn, den Sommer von damals. Im Mai waren wir in die Pionierorganisation aufgenommen worden, das fühlte sich schon irgendwie merkwürdig an, aber die Rituale wurden dennoch eingehalten: Wir banden uns die roten Halstücher um und machten ein Foto am Lenin-Denkmal.

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