Landschaft und Ideologie Aufladung und Aneignung von Räumen durch die radikale Rechte
Wenn der nationalsozialistische Führerkult einen Ort hatte, dann war es wohl Hitlers Berghof am Obersalzberg. Wie nirgendwo sonst wurde die Landschaft ideologisch aufgeladen und instrumentalisiert: Die Bilder des Idylls inmitten der Berchtesgadener Alpen transportierten die Propagandabotschaft einer vermeintlich harten und mächtigen, urtümlichen und „gesunden“ Natur, in der der „Führer“ gleichzeitig Kraft schöpft und unermüdlich arbeitet – zum vermeintlichen Wohle des deutschen Volkes. Der bevorzugte Aufenthaltsort Hitlers war seit 1935/36 Führersperrgebiet und Nebenregierungssitz des NS-Regimes.
Die Vereinnahmung durch Umdeutung und Instrumentalisierung von Orten ist bis heute ein Merkmal radikal rechter Geschichtsdeutung und Kommunikationsstrategien und ein Kontinuum im sich wandelnden Spektrum der radikalen Rechten. Neonazis in der Bundesrepublik orientier(t)en sich vornehmlich an den alten Wirkungsstätten des NS-Regimes, zu denen auch der Berghof zählt; sie pilgerten zu Grabstätten verstorbener NS-Größen, etwa von Rudolf Hess im fränkischen Wunsiedel; Dystopien von „national befreiten Zonen“ machten die Runde. Zunehmend versucht die radikale Rechte, Orte der National- und Demokratiegeschichte zu okkupieren oder in ihrem Sinne umzudeuten. Gleiches gilt für Konzepte wie den „deutschen Osten“, ganze Landschaften, aber auch Stadträume werden zum Gegenstand zeitgenössischer, radikal rechter Raum(nahme)konzepte.
Die Fachtagung blickt in Geschichte und Gegenwart: Sie blickt auf die historischen Ursprünge, Konstanten und Transformationen dieser Konzepte. Sie bietet wissenschaftliche Analysen und fragt nach den Möglichkeiten eines demokratischen politischen Systems und einer pluralen Zivilgesellschaft angesichts rechter Vereinnahmungen. Die Bundeszentrale für politische Bildung und die Dokumentation Obersalzberg beim Institut für Zeitgeschichte München–Berlin laden zum interdisziplinären Austausch zwischen Wissenschaft und politischer Bildung ein. Die öffentliche Podiumsdiskussion am 26.10.2026 in München ist eine Kooperationsveranstaltung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, der Bundeszentrale für politische Bildung und des Instituts für Zeitgeschichte München–Berlin/Dokumentation Obersalzberg.
Hinweise zur Veranstaltung
Veranstalter:
Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit der Externer Link: Dokumentation Obersalzberg beim Institut für Zeitgeschichte München–Berlin sowie für die Abendveranstaltung in München mit der Externer Link: Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Externer Link: Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
Anmeldung:
Teilnahmegebühr: 95 Euro mit Übernachtung in München und Berchtesgaden, 55 Euro ohne Übernachtung
Aufgrund des sehr begrenzten Platzangebots bitten wir darum, im Anmeldeformular im Feld „Motivation“ kurz darzulegen, inwiefern die Rolle als Multiplikator/-in auf Sie zutrifft. Nach dem Anmeldeschluss am 26. Juni 2026 werden wir die Anmeldungen auf dieser Grundlage sichten und bis Mitte Juli Teilnahmezusagen versenden sowie Wartelistenplätze vergeben. Wir bitten um Verständnis, dass nicht jeder Teilnahmewunsch berücksichtigt werden kann.