Fischer in Saudi-Arabien

5.11.2014 | Von:
Anne-Sophie Friedel

Editorial

Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie. Die Legitimität des Königs speist sich aus seinem Anspruch, in Übereinstimmung mit einer puritanischen Auslegung des sunnitischen Islam, dem Wahhabismus, zu herrschen. Politische und geistliche Macht sind eng verflochten, das Land gilt als streng religiös. Als größter Erdölexporteur ist Saudi-Arabien zugleich wirtschaftlich in den Weltmarkt integriert und genießt enormen Reichtum; seine Bevölkerung profitiert von kostenloser Bildung und Gesundheitsversorgung. Durch seine prowestliche Außenpolitik ist das Land seit Jahrzehnten ein wichtiger Partner der USA im Nahen Osten.

Der Balanceakt zwischen diesen Widersprüchen stellt das Königshaus vor eine permanente Herausforderung: Während die wahhabitischen Gelehrten jede Modernisierung als Gefahr für die Grundlagen des Staates bewerten, hat sich die junge, wachsende Bevölkerung Saudi-Arabiens zusehends differenziert. Die Gesellschaft wurde lebendiger, Forderungen nach politischen Reformen und bürgerlichen Freiheiten wurden laut. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001, die größtenteils saudi-arabische Staatsangehörige verübt hatten, verlangten auch die USA eine Demokratisierung des Landes. Der damalige Regent und heutige König Abdallah leitete daraufhin einen behutsamen Reformprozess ein.

Dass das Königshaus indes nicht zu einem grundlegenden Wandel bereit ist, zeigte sich im Zuge des "Arabischen Frühlings" 2011, als es im Schulterschluss mit den Gelehrten die auch in Saudi-Arabien spürbare Aufbruchstimmung mit einer Kombination aus Repression und Geldgeschenken an die Bevölkerung erstickte. Auch in der Region profilierte sich das Königreich als Bewahrer des autoritären Status quo. Wie lange es diese Rolle noch ausfüllen kann, bleibt angesichts der neuen Bedrohungslage durch den Vormarsch der Terrororganisation "Islamischer Staat" abzuwarten.