APuZ 2016/33-34, Magheb-Staaten

12.8.2016 | Von:
Lorenz Abu Ayyash

Editorial

Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet der Maghreb die Region Nordafrika und die Staaten Mauretanien, Algerien, Tunesien, Libyen und Marokko mit dem völkerrechtlich umstrittenen Gebiet der Westsahara. Der arabische Begriff leitet sich ab vom "Ort des Sonnenuntergangs" – in Abgrenzung zum "Maschrek", dem "Ort des Sonnenaufgangs". Als arabische Geografen den Begriff erstmals im 10. Jahrhundert verwendeten, gehörten aus ihrer Sicht neben der Region Nordafrika ebenso Sizilien, die Iberische Halbinsel sowie die Balearischen und Kanarischen Inseln zum Maghreb.

Auch wenn die fünf Staaten des Maghreb sprachlich und kulturell viel gemeinsam haben, unterscheiden sie sich politisch und gesellschaftlich stark voneinander. So besitzt jedes Land seine eigene komplexe Geschichte der Nationalstaatsbildung, die geprägt ist von unterschiedlichen Erfahrungen mit der osmanischen Herrschaft, der europäischen Kolonialzeit und des antikolonialen Widerstands. Entsprechend verschieden verliefen die Umbrüche des "Arabischen Frühlings".

Fünf Jahre nach dem "Arabischen Frühling" ist die Region hierzulande erneut ins öffentliche Interesse gerückt: mit den sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht 2015 und der sich anschließenden Diskussion um den Umgang mit kriminellen Asylbewerbern einerseits und der Debatte um die Einstufung der Maghreb-Staaten als "sichere Herkunftsländer" andererseits. Das Kürzel "Nafri" für "nordafrikanische Straftäter" hat sich eingebürgert. Mediale Schlagwörter wie "Nafri-Probleme", "Nafri-Kriminalität" und "Nafri-Alarm" prägen das Bild des Maghreb und lenken von einer sachlichen Debatte über die aktuellen Herausforderungen der Region ab.

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