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26.5.2002 | Von:
Thomas Bohrmann

Big Brother

Medienethische Überlegungen zu den Grenzen von Unterhaltung

III. Grundidee und Regeln von Big Brother

Bei dem nichtfiktionalen TV-Format Big Brother handelt es sich um ein Spiel, das nach festen Regeln abläuft [15] . Seine Grundidee besteht darin, dass für 100 Tage fünf Frauen und fünf Männer, die sich vorher niemals gesehen haben (1. Regel), in einem Wohncontainer leben. Dabei gilt als leitender Lebensstil 'Back to Basics', da die Bewohner auf Komfort und Luxus verzichten müssen (3. Regel). Die Kandidaten haben während ihres Aufenthaltes im Big Brother-Haus keinen Kontakt zur Außenwelt (2. Regel). Die einzigen Ansprechpartner der Bewohner sind die Mitglieder der Big Brother-Redaktion, die aber nur über Lautsprecher mit den Kandidaten kommunizieren. Täglich sollen die Kandidaten in einem abgeschlossenen Sprechzimmer - unbeobachtet und unbelauscht von den anderen - eine persönliche Stellungnahme über individuelle Erfahrungen, Gefühle und Konflikte abgeben (5. Regel). Zu Beginn einer neuen Woche stellt die Redaktion den Bewohnern eine Wochenaufgabe, die es zu lösen gilt. Im Wohncontainer befinden sich insgesamt 28 Kameras und 47 Mikrophone, die täglich 24 Stunden lang alle Aktionen der Bewohner im gesamten Haus optisch und akustisch aufzeichnen (4. Regel).

Aus diesem Material stellt die Redaktion eine ca. 50-minütige Sendung (mit zwei Werbeunterbrechungen) zusammen, die dann einen Tag später um 20.15 Uhr im Fernsehen ausgestrahlt wird. Am Samstag sendet RTL 2 eine Wochenzusammenfassung, und am Sonntag wird schließlich ein Talkformat präsentiert, bei dem Gäste eingeladen und die Big Brother-Kandidaten zu Talkthemen werden. Neben der täglichen Fernsehpräsenz ist Big Brother auch im Internet zu sehen, wobei hier das Geschehen im Haus synchron verfolgt werden kann.

Schließlich müssen die Kandidaten alle zwei Wochen zwei Mitbewohner nominieren, die das Haus verlassen sollen (6. Regel). Dabei werden die Nominierungen im Sprechzimmer abgegeben. Unter den beiden am häufigsten genannten Bewohnern sollen dann die Zuschauer telefonisch bis zum folgenden Sonntag entscheiden, wer endgültig aus dem Big Brother-Haus auszuziehen hat. Gewinner des Spiels ist, wer nach 100 Tagen als Letzter das Haus verlässt. Als Prämie erhält der Gewinner (bzw. die Gewinnerin) 250 000 DM. Jeder Bewohner darf jederzeit den Wohncontainer verlassen (7. Regel). Für die freiwillig ausgeschiedenen Kandidaten rücken neue Spielteilnehmer nach, die dann allerdings nicht den kompletten Hauptpreis für sich in Anspruch nehmen können.

Fußnoten

15.
Die Regeln sind im Internet abrufbar unter: http://www.bigbrother-haus.de.