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26.5.2002 | Von:
Rüdiger Funiok

Medienethik

Der Wertediskurs über Medien ist unverzichtbar

V. Medienethisch argumentierende Stellungnahmen

Zum Schluss sei noch auf eine Publikation (und eine Adresse) verwiesen, in der sowohl prinzipienorientiert wie mit dem Blick auf die Veränderungen im Medienbereich argumentiert wird. Eine medienethisch anregende Lektüre ist die Gemeinsame Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (1997) mit dem Titel 'Chancen und Risiken der Mediengesellschaft' [31] . In ihr werden die mit den neuen Kommunikationstechnologien verbundenen Veränderungen detailliert erörtert. Im Unterschied zu anderen kirchlichen Dokumenten zur Medienkommunikation werden hier nicht vollmundig ethische Appelle formuliert, sondern mit der Berufung auf demokratische Werte und Ziele, aber auch auf ein christliches Menschenbild ausgewählte (und eher zurückhaltende) Handlungsempfehlungen gegeben. Diese sind auch für eine nach-christliche Gesellschaft bedenkenswert.

Seit 1997 hat sich ein interdisziplinäres Gesprächsforum zu medienethischen Fragen etabliert, das 'Netzwerk Medienethik' [32] . Zu diesem Netzwerk fühlen sich Publizistik- und Kommunikationswissenschaftler, aber auch philosophische und theologische Ethiker sowie Vertreter von Selbstkontrollgremien und Verbänden zugehörig, die an der Reflexion und Förderung ethischer Orientierungen im Medienbereich aktiv mitwirken wollen. Das Thema des diesjährigen Jahrestreffens war 'Die Moral der Daily Talks', das des kommenden Jahres wird sein 'Big Brother macht Bilder. Ethische Fragen zur Bildkonstruktion des Realitätsfernsehens im multimedialen Raum' (8./9. Febr. 2001, wiederum in München). Die ethischen Fragestellungen richten sich dabei sowohl an die senderseitige Bildproduktion, -bearbeitung und -distribution wie an die Rezeption durch das Publikum; kritisch beleuchtet werden auch die moralischen Argumente des öffentlichen Diskurses über Big Brother und ähnliche Sendeformen [33] .

Auch wenn die Medienethik weiter an ihrer Systematik zu arbeiten hat, so muss sie sich doch immer an aktuellen Fragestellungen erproben. Als wissenschaftliche Beschäftigung mit der vorhandenen Medienmoral und Kommunikationskultur wird sie dabei sowohl prinzipien- wie empirie-orientiert vorgehen müssen.

Fußnoten

31.
Herausgegeben vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland, Herrenhäuser Straße 12, 30419 Hannover, und vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Kaiserstraße 163, 53113 Bonn, Tel. 0228/103-0.
32.
Die Koordination liegt beim Verfasser dieses Artikels: Prof. Dr. Rüdiger Funiok, Institut für Kommunikation und Medien an der Hochschule für Philosophie, Kaulbachstr. 31a, D-80539 München, Tel. 0 89/23 86-2410; Fax: 0 89/23 86-2402; E-Mail: funiok@hfph.mwn.de; Homepage: www.netz- werk-medienethik.de.
33.
Anmerkung der Redaktion: Zum Thema 'Big Brother' siehe auch den Beitrag von Thomas Bohrmann in diesem Heft.