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26.5.2002 | Von:
Manfred Wöhlcke

Die Gemeinschaft Portugiesischsprachiger Staaten und die EU

Wenig wirtschaftliche Substanz und Kohärenz

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den CPLP-Staaten können schlechthin als substanzlos bezeichnet werden. Lediglich Brasilien und Portugal verfügen überhaupt über ein nennenswertes Bruttoinlandsprodukt (rund 700 bzw. 100 Mrd. US-Dollar); sie haben ihre wichtigsten wirtschaftlichen Partner außerhalb der CPLP. Die Wirtschaftsbeziehungen innerhalb der CPLP lassen sich zwar ausweiten, aber doch nur in gewissen Grenzen, denn die CPLP-Staaten sind füreinander nicht gerade die interessantesten Volkswirtschaften. Überspitzt könnte man sagen: Einige haben nicht das, was die anderen brauchen; einige haben etwas, das die anderen ebenfalls haben; und keiner hat das, was alle brauchen. Am meisten Substanz haben noch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Brasilien und Portugal, aber auch diese sind in absoluten wie in relativen Zahlen ziemlich bescheiden [18] .

Mehr als das halbe Volumen der wirtschaftlichen Beziehungen Brasiliens konzentriert sich auf die Industrieländer, und sein regionaler Integrationsschwerpunkt ist der Mercosul (mit Argentinien, Uruguay und Paraguay). Die wirtschaftlichen Beziehungen Portugals konzentrieren sich sogar zu rund 80 Prozent auf die Industrieländer, und sein regionaler Integrationsschwerpunkt ist die EU. Auch die PALOP haben die intensivsten wirtschaftlichen Beziehungen mit den Industrieländern [19] ; Angola und Moçambique haben ihren Integrationsschwerpunkt in der SADC. Moçambique ist darüber hinaus dem Commonwealth beigetreten. Guiné-Bissau ist Beobachter bei den frankophonen Staaten Afrikas und hat sich der "Union Monétaire Ouest-Africaine" (UMOA) angeschlossen. Sao Tomé e Principe zeigt eine ähnliche Inklination. Und schließlich wird Cabo Verde von der frankophonen "Agence de Coopération Scientifique et Technique" gefördert [20] .

Innerhalb der CPLP bestehen also deutliche zentrifugale Tendenzen. Diese werden verstärkt durch die wirtschaftlich desolate Situation in den PALOP, so dass letztere für Brasilien und Portugal nicht besonders attraktiv sind. Die wirtschaftliche Entwicklung namentlich von Angola und Moçambique wäre eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die CPLP mehr Substanz und Kohärenz bekommt, aber diesbezüglich muss man auf absehbare Zeit wohl eher pessimistisch sein.

Fußnoten

18.
Zu den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Portugal und den PALOP vgl. Portugal: A Promoter for Sub-Saharan Africa, in: Franco Algieri/Elfriede Regelsberger (Hrsg.), Synergy at Work. Spain and Portugal in European Foreign Policy, Bonn 1996, S. 137-166 (142). Auf die PALOP entfielen Anfang der neunziger Jahre rund drei Prozent der portugiesischen Exporte, 0,1 Prozent der Importe, 2,4 Prozent der Auslandsinvestitionen und fast die gesamte Entwicklungshilfe Portugals.
19.
Darunter auch mit Portugal. Aus der Perspektive der PALOP sind die wirtschaftlichen Beziehungen zu Portugal bedeutender als umgekehrt. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Portugals 30-mal größer ist als dasjenige von Angola, 60-mal größer als dasjenige von Moçambique, 250-mal größer als dasjenige von Cabo Verde, 370-mal größer als dasjenige von Guiné-Bissau und über 2 000-mal größer als dasjenige von S!!!!!!~ao Tomé e Principe.
20.
Vgl. Manuel Ennes Ferreira/Rui Almas, Les contours économiques de la CPLP, in: Manuel Ennes Ferreira u. a. (Hrsg.), Lusotropicalisme, Idéologies coloniales et identités nationales dans les mondes lusophones, Paris 1997, S. 11-33.