APUZ Dossier Bild

26.5.2002 | Von:
Wolfgang Gaiser
Martina Gille
Winfried Krüger
Johann de Rijke

Politikverdrossenheit in Ost und West?

Einstellungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

III. Zunehmende Politikverdrossenheit 1992-1997?

Vergleicht man die Ergebnisse der beiden Erhebungswellen des DJI-Jugendsurveys (vgl. Tabellen 1, 3 und 7), so zeichnen sich im Bereich der subjektiven Wichtigkeit von Politik ganz unterschiedliche Entwicklungen in den alten und neuen Bundesländern ab.

Die westdeutschen Befragten zeigen im Jahre 1997 ein höheres politisches Interesse und halten in Bezug auf die subjektive politische Kompetenz ihr relativ hohes Niveau von 1992. Demgegenüber ist bei den ostdeutschen Befragten ein Rückgang festzustellen, so dass sich die Distanzen zwischen beiden Landesteilen noch vergrößern. Die Befürwortung der Idee der Demokratie ist in beiden Landesteilen etwas gesunken, sie hat aber nach wie vor ein hohes Niveau. Die Zufriedenheit mit der Demokratie ist seit 1992 in den neuen Bundesländern deutlich zurückgegangen, und auch das Vertrauen in die Reaktionsbereitschaft des politischen Systems hat leicht abgenommen, während im Westen beides stabil geblieben ist. Das Vertrauen in die Institutionen hat sich zwischen 1992 und 1997 kaum verändert. Die Beurteilung politischer Parteien bleibt nach wie vor sehr unterschiedlich in West und Ost: Die Verteilung der Präferenzen ist aufgrund der starken Sympathie für die PDS im Osten anders als im Westen; die Zustimmung zu den Parteien hat im Osten seit 1992 abgenommen, außer für die PDS. Fast in allen der dargestellten Aspekte gibt es klare Ost-West-Unterschiede, außer bei der Bewertung der inhaltlichen Prinzipien der Demokratie.

Berücksichtigt man, dass die 1997 ermittelten Ost-West-Unterschiede häufig aus einem Anwachsen der Differenzen seit 1992 resultieren, kann in dieser Entwicklung ein Auseinanderdriften gesehen werden. Insgesamt fügen sich die Untersuchungsergebnisse beider Landesteile nicht zu einem Bild zusammen, bei dem die Übereinstimmung dominiert.