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26.5.2002 | Von:
Wolfgang Gaiser
Martina Gille
Winfried Krüger
Johann de Rijke

Politikverdrossenheit in Ost und West?

Einstellungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

V. Fazit

Insgesamt zeigt sich, dass von Politikverdrossenheit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht undifferenziert gesprochen werden kann - so wenig wie bei Erwachsenen auch. Auf den verschiedenen Ebenen, wie sie in den vorangegangenen Abschnitten beschrieben wurden, sind jeweils unterschiedliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Im Kern steht dabei die Unzufriedenheit mit sowie ein Misstrauen gegenüber den Repräsentanten der Politik, und dies insbesondere in den neuen Bundesländern. Im Vergleich zu Erwachsenen ergibt sich, dass neben lebenszyklisch bedingten Differenzen (die mit dem Zugang zur Politik im Verlauf des "Erwachsenwerdens" zu tun haben) in vielen Bereichen keine drastischen Unterschiede festzustellen sind, die von einer umfassenden Politikverdrossenheit ausschließlich der Jugend zeugen würden. Auch deuten die Veränderungen von 1992 auf 1997 auf keine fundamentale Erosion des Verhältnisses der jungen Bürgerinnen und Bürger zu Demokratie und Staat hin, wenngleich der Rückgang des politischen Interesses und der Demokratiezufriedenheit in den neuen Bundesländern sowie das hier nach wie vor deutlich geringere Vertrauen in die Reaktionsbereitschaft des politischen Systems die Hoffnung auf eine rasche Angleichung politischer Einstellungen in Ost und West dämpfen dürfte. Dies alles beleuchtet die Einstellungsebene. Damit ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich bei bestimmten politischen Aktivitäten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Ost und West nicht doch ähnliche Profile zeigen können. Ihr gleichermaßen großes Engagement in Handlungskontexten außerhalb traditioneller Organisationen - wie es sich beispielsweise in den neuen sozialen Bewegungen zeigt [28] - lässt erkennen, dass Politikverdrossenheit keineswegs mit gesellschaftlichem Rückzug verbunden sein muss.

Internetverweise der Redaktion:



www.dji.de

www.jugendforschung.de

Fußnoten

28.
In den alten wie in den neuen Bundesländern nehmen jeweils rund ein Viertel bzw. ein Fünftel der 16- bis 29-Jährigen an Aktivitäten der Gruppen der neuen sozialen Bewegung teil. Gruppen dieser Art sind u. a.: Umweltschutzgruppen, Friedens- und Dritte-Welt-Initiativen, Menschenrechts- und Selbsthilfegruppen; vgl. Wolfgang Gaiser/Johann de Rijke, Partizipation und politisches Engagement, in: M. Gille/W. Krüger (Anm. 1).