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26.5.2002 | Von:
Wolfgang Gaiser
Johann de Rijke

Gesellschaftliche Beteiligung der Jugend

Handlungsfelder, Entwicklungstendenzen, Hintergründe

IV. Ausblick

Gesellschaftliche und politische Beteiligung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat eine Vielzahl von Aspekten - einige zentrale wurden in diesem Beitrag angesprochen. [20] Die aktive Betätigung in traditionellen gesellschaftlichen Organisationen (Vereine, Verbände, Parteien etc.) ist teilweise im Abnehmen begriffen, teilweise jedoch auch nur durch Verschiebungen und Veränderungen gekennzeichnet. Von einer grundsätzlichen Beteiligungsverweigerung kann also keine Rede sein. Konventionelle Politik wird hierbei allerdings nicht als zentrales Betätigungsfeld gesehen. Aktivität in informellen Gruppierungen hat ein konstantes Niveau und zeugt von der Sympathie für unkonventionelle, flexible und stärker dezentral-selbstbestimmte Aktionsformen. Das betrifft auch zeitlich begrenzte, oft punktuelle politische Handlungsformen ohne langfristige Verpflichtung, die gerade Jugendliche mobilisieren können, wenn diese mit für sie wichtigen Themen angesprochen werden. Die modernen Kommunikationsmittel verstärken möglicherweise diese Tendenzen. Dies sollte von den Organisationen, die sich um eine Mobilisierung der nachwachsenden Generation bemühen, stärker berücksichtigt werden. Sie könnten beispielsweise vermehrt versuchen, die Notwendigkeiten einer kontinuierlichen Zielverfolgung der Organisationen mit den lockeren, zeitlich begrenzten, instrumentell-orientierten Vorstellungen von Jüngeren in Einklang zu bringen.

Grundsätzlich besteht für Jugendliche und junge Erwachsene kein Widerspruch zwischen Selbstentfaltungswerten und prosozialen Orientierungen. Mangelnde Partizipation ist eher darauf zurückzuführen, dass ihnen angesichts der vielfältigen Notwendigkeiten und Möglichkeiten, sich für und damit auch gegen etwas zu entscheiden, oft keine Zeit mehr für "zusätzliches" Engagement bleibt. Privates Lebensumfeld, Freunde, Partner und Familie auf der einen, Bildung, Beruf und Arbeit auf der anderen Seite liegen bei steigender Tendenz ganz oben in der Wichtigkeitsskala. Organisation, Ausgestaltung und Sicherung der sozialen und wirtschaftlichen Teilhabe prägen somit zunehmend das Leben der jungen Menschen. Gleichzeitig findet eine stärkere Individualisierung der Jugendbiografie statt: Anbindungen an soziale Milieus schwächen sich ab und Brückenschläge, wie z. B. von der Erwerbsarbeit zu gewerkschaftlichem Engagement, werden seltener. Die Unzufriedenheit mit der politischen Einflussmöglichkeit und der Mitbestimmung in Schule und Beruf verweist aber auf uneingelöste Gestaltungsansprüche der jungen Menschen.

Fußnoten

20.
Auch ehrenamtliches Engagement ist bei Jüngeren nicht unbeträchtlich und weist auf potenzielle Motivation hin, sofern Eigenverantwortung und neue Formen von Interessen und Bedürfnissen Jugendlicher in den Organisationen Rechnung getragen wird (vgl. Anm. 1).