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26.5.2002 | Von:
Thomas Leif

Macht ohne Verantwortung

Der wuchernde Einfluss der Medien und das Desinteresse der Gesellschaft

Der Trend zur Personalisierung

Der Trend zur "People-Story" ist ungebrochen, meint der Journalist Hans Leyendecker und verrät die Rezeptur an Hand eines erfolgreichen Beispiels: "Das Sterben der Hannelore Kohl hat nicht nur deshalb so viel Aufmerksamkeit gefunden, weil sie die Gattin Helmut Kohls war, sondern auch, weil Leid und Gerüchte eine Melange ergaben, die den Klatsch förderte." Nicht nur dieser Fall zeigte: Das Unglück von Prominenten verkauft sich immer noch am besten.

Ein Grund für diese Entwicklung hin zum Leichten und Seichten liegt sicher in der zunehmenden Komplexität von politischen Entscheidungen. Politik wird mit allen internationalen Verflechtungen immer undurchsichtiger. Der Staatssekretär im Bildungsministerium, Uwe Thomas, definiert Politik bereits als ein "Komplexitätsreduzierungs-Spiel". Gleichzeitig sinkt das Verständnis für den langwierigen Gestaltungsprozess von Politik und den Einfluss von "pressure groups" oder Lobbyisten, die erfolgreich im Stillen arbeiten. Das Bekenntnis des CSU-Generalsekretärs Thomas Goppel, es gebe "Grenzen der Politikgestaltung" ist eine Ausnahme. Im Zusammenhang mit der Gendebatte machte er öffentlich darauf aufmerksam, dass Entscheidungen der Politik in hochkomplexen Themenfeldern auf Grenzen stoßen. Statt solcher Grenzziehungen neigen die meisten Politiker immer noch dazu, mehr zu versprechen, als sie halten können. Dies reduziert auf Dauer die Ernsthaftigkeit und die Glaubwürdigkeit der Politik bei den Bürgern. Diesen diffusen Unmut spiegeln die Medien.