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26.5.2002 | Von:
Thomas Leif

Macht ohne Verantwortung

Der wuchernde Einfluss der Medien und das Desinteresse der Gesellschaft

Der Trend zur Inszenierung

Auch die Vermittlungswege von Informationen haben sich gravierend verändert. (Inszenierte) Bilder, gut gestylte Stimmungen und überlegt eingesetzte Emotionen verdrängen immer mehr die Argumente oder den redlichen intellektuellen Austausch. Ist es ein Zufall, dass die Frisur der CDU-Vorsitzenden so viele Leitartikler inspiriert und hinter diesen "Feuilletons" politische Ideen verschwinden? Schon Mao predigte: "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte." Für die Berliner Praxis heißt das heute: Der Politiker, der gute Laune zum bösen Spiel verbreiten kann, steht ganz vorne. Die Wohlfühlbilder überstrahlen die Mängelliste der verdrängten oder ungelösten Probleme.

Ein erfolgreiches Privatradio im Rhein-Main-Gebiet hat diese Entwicklung zur Programm-Philosophie erhoben. "Wir wollen, dass Sie sich gut informiert fühlen", lautet das werbende Motto. Es kommt also nur noch auf das Gefühl, nicht aber auf den tatsächlichen Zustand an. Politik wird so zu einer Sparte der Illusionskunst, welche die Kulissen des Wichtigen und Unwichtigen nach Belieben verschiebt. Eine Folge ist, dass die Gesellschaft - bezogen auf die Mediennutzung - immer weiter auseinanderfällt: in eine kleine Informationselite, welche die vielfältigen Quellen nutzt, und in ein riesiges Unterhaltungsproletariat, das sich auf zufällige Informationen verlässt und eher der Unterhaltung zuneigt. Für die Politikvermittlung ist dieser Zustand eine riesige Herausforderung. Aber welche Institutionen und gesellschaftlichen Agenturen kümmern sich überhaupt um diese Aufgabe?