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26.5.2002 | Von:
Thomas Leif

Macht ohne Verantwortung

Der wuchernde Einfluss der Medien und das Desinteresse der Gesellschaft

Der Trend zur Dauer-Unterhaltung

Ein führender Programmdirektor der ARD sagte kürzlich, "die Unterhaltungsmaschine rollt und rollt". Die Gleichgültigkeit seines Gesichtsausdrucks verriet, dass er sie offenbar weder aufhalten könne noch wolle. Das besagt mehr als viele Reden, Protokolle, Kongresse und Studien. Die skizzierte Entwicklung der zersplitterten Öffentlichkeiten wird weder von den Programm-Machern noch von den politisch und gesellschaftlich Verantwortlichen mit der nötigen Aufmerksamkeit registriert. Das Problembewusstsein für all diese Tendenzen hat vielleicht eine Quote von 0,1 Prozent, hat sich also "versendet". Die Medien entfalten sich quasi im Schatten der öffentlichen Beobachtung und folgen lediglich den Gesetzen des Marktes. Dies beschädigt allerdings eine lebendige Demokratie-Entwicklung.

Im Sinne der Warnungen der Bundespräsidenten und prominenter Kritiker dieser wuchernden Entwicklung dürfen die Dinge nicht einfach so weitertreiben. Nicht zuletzt die Abstumpfung des Publikums nach großen Konjunkturen, etwa nach "big brother" oder "big diet", zeigt, dass es auch einen entertainment overkill geben kann. Es kann durchaus eine Renaissance einer neuen, breit angelegten Politikvermittlung über die Medien geben, wenn die Verantwortlichen auf allen Ebenen dies wollen und ihre Verantwortung wahrnehmen. Dann werden sich auch die Bürger intensiver mit der Frage beschäftigen, welche Themen wirklich wichtig und welche unwichtig sind. Wenn auch die Bürger sich intensiver um die großen Probleme, Fragen und Debatten unserer Zeit kümmern, wird die Politik es sich nicht mehr erlauben können, die wichtigen Medientendenzen länger von wenigen "Medienpolitikern" bearbeiten zu lassen.