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26.5.2002 | Von:
Nico Stehr

Moderne Wissensgesellschaften

Der Aufsatz untersucht die neuartigen Möglichkeiten der modernen Gesellschaft und ihrer Akteure in einem Übergangsstadium. Das Zeitalter der Industrialisierung, der sozialen Ordnung der Industriegesellschaft steht vor dem Ende.

I. Vorbemerkungen

Die Beobachtung einer unaufhaltsamen Konzentration, Rationalisierung, Homogenisierung oder Globalisierung der modernen Lebenswelt und die Warnung vor diesen angeblich unaufhaltsamen Entwicklungen haben immer wieder eine dominante Rolle in den Kulturwissenschaften gespielt. Und oft sind es die gesellschaftlichen Auswirkungen von Wissenschaft und Technik, die für die skizzierte Verengung des modernen Lebens verantwortlich gemacht werden.

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  • Diese Argumentationsweise kritischer Beobachter der sozialen und kulturellen Entwicklungsmuster moderner Gesellschaften lässt sich mit einigen Worten auf den Punkt bringen: Soziale, ökonomische und technische Handlungsmittel haben in der modernen Gesellschaft insgesamt einen äußerst organisierten, rationalen, regulierten, kurz systematischen Charakter. [1] "Jene mächtige Tendenz zur Uniformierung des Lebensstils" hat schon Max Weber [2] in seinem klassischen Essay "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" mit nüchterner Bestimmtheit hervorgehoben. Und insofern sich diese umfassenden Entwicklungstendenzen auf den "mächtigen Kosmos der modernen ... ökonomischen ... Wirtschaftsordnung" beziehen - so hat Weber hinzugefügt -, ist die Sozialordnung an "die technischen und ökonomischen Voraussetzungen mechanisch-maschineller Produktion" gebunden, die "heute den Lebensstil aller Einzelnen, die in dieses Treibwerk hineingeboren werden - nicht nur der direkt ökonomisch Erwerbstätigen -, mit überwältigendem Zwange bestimmt und vielleicht bestimmen wird, bis der letzte Zentner fossilen Brandstoffs vielleicht verglüht ist" [3] .

    In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts formulierte Helmut Schelsky neuerlich einen Albtraum: Die Verwendung elektronischer Rechenmaschinen werfe das Problem des totalitären Staates auf. "Diese Regierungsmaschine verlangt unbedingten Gehorsam, weil sie die perfekte und voraussagesichere Planung produziert", prophezeite der Soziologe. "Gegen die technisch garantierte Wahrheit ist jede Opposition unvernünftig." [4] Ein halbes Jahrhundert später warnt der amerikanische Unternehmer und Zukunftsforscher Billy Joy vor einer Entwicklung, die ähnlich albtraumhafte Züge annimmt: Er befürchtet eine Verselbstständigung der Nanotechnologie. Sie und andere zukünftige Techniken könnten den Menschen zu einem vom Aussterben bedrohten Wesen machen. Wie André Gorz deshalb mit Recht unterstreicht, ist einerseits denkbar, dass dort, "wo Macht sich auf Wissenschaft und auf wissenschaftlich erkannte Notwendigkeiten beruft," für "politische Willensbildung überhaupt kein Platz" [5] mehr sein kann; und andererseits mögen sich vom Menschen erdachte intelligente Kreaturen der Herrschaft ihrer Erzeuger weitgehend entziehen, um erfolgreich mit ihnen in Konkurrenz zu treten. Sowohl im Politiksystem als auch in anderen gesellschaftlichen Institutionen sowie im Alltagsleben wird die Macht des Wissens zum Machtmittel über den Menschen.

    Schelsky repräsentierte mit seiner Einschätzung trefflich den Zeitgeist der Mitte des vorigen Jahrhunderts - und dieser hat sich, wie die Mahnungen Joys zeigen, bis heute tapfer gehalten. Der Schlüssel zu diesem Phänomen liegt in einer symptomatischen Überschätzung der Macht moderner Wissenschaft und Technik. Gerade Soziologen zeigen sich bis heute außerstande, die sozialen Folgen technisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse anders als aus der Perspektive ihrer vermeintlich bedrohlichen und repressiven Konsequenzen zu reflektieren.

    Paradoxerweise sind jedoch gerade Wissenschaft und Technik die vielleicht wichtigsten Quellen der wachsenden Offenheit und Unbestimmtheit moderner gesellschaftlicher Verhältnisse. Allen Voraussagen zum Trotz befinden wir uns heute eher am Ende des Zeitalters der Vorherrschaft der großen Institutionen wie Staat, Kirche oder Militär. Die Verhaltensweisen ihrer Vertreter lassen die Zweifel an der kompetenten Planung und Steuerung der immer komplexer werdenden gesellschaftlichen Prozesse wachsen.

    Die Gesellschaft ist demnach zerbrechlicher geworden. Verantwortlich dafür ist jedoch nicht die vielbeschworene Globalisierung oder Ökonomisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern ein Herrschaftsverlust durch Wissen.

    Das Zeitalter der Industriegesellschaft geht dem Ende entgegen; die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die nötig waren, um deren soziale Ordnung zu sichern, verlieren an Bedeutung. Die sich am Horizont abzeichnende Gesellschaftsordnung basiert auf Wissen.

    II. Das Wissen vom Wissen

    Wissen bezeichnet bei Karl Marx "das allgemeine gesellschaftliche Wissen, knowledge" [6] . Ich möchte Wissen genauer als Fähigkeit zum (sozialen) Handeln (als Handlungsvermögen) definieren und damit als die Möglichkeit, etwas in "Gang zu setzen". Wissen als ein symbolisches System strukturiert die Realität. Wissen ist ein Modell für die Wirklichkeit. Wissen illuminiert. Es ist potenziell in der Lage, die Realität zu verändern. [7] In diesem Sinne ist Wissen ein universales Phänomen oder eine konstante anthropologische Größe.

    Meine Begriffswahl stützt sich unmittelbar auf Francis Bacons berühmte und faszinierende These "scientia est potentia" oder wie diese Formulierung häufig, aber irreführend, übersetzt wurde: Wissen ist Macht. Bacon behauptet, dass sich der besondere Nutzen des Wissens von seiner Fähigkeit ableitet, etwas in Bewegung zu setzen. Der Begriff potentia, also Fähigkeit, umschreibt hier die "Macht" des Wissens. [8] Wissen ist Entstehen. Genauer gesagt, und wie Francis Bacon am Anfang seines Novum Organum betont, "menschliches Wissen und menschliche Macht treffen in einem zusammen; denn bei Unkenntnis der Ursache versagt sich die Wirkung. Die Natur kann nur beherrscht werden, wenn man ihr gehorcht; und was in der Kontemplation als Ursache auftritt, ist in der Operation die Regel" [9] .

    Menschliche Naturerkenntnis ist demzufolge "Ursachenwissen", aber auch gleichzeitig Kenntnis der Handlungsregeln und damit das Vermögen, den fraglichen Prozess in Gang zu setzen oder etwas erzeugen zu können. Erfolge oder Folgen menschlichen Handelns lassen sich daher an der Veränderung der Realität ablesen. [10] Erkenntnis gewinnt an Distinktion oder Wert aufgrund seiner Fähigkeit, die Wirklichkeit zu verändern. Infolgedessen kann man Wissen als Fähigkeit zum Handeln definieren, als Möglichkeit, einem Vorgang eine neue Richtung zu geben. Wissenschaftliche Erkenntnisse oder technologisches Wissen sind also genau wie religiöses Wissen zunächst nichts anderes als Handlungsvermögen.

    Wissen erfüllt nur dort eine aktive Funktion im gesellschaftlichen Handlungsablauf, wo Handeln nicht nach im Wesentlichen stereotypisierten und oft unreflektierten Mustern abläuft oder ansonsten weitgehend reguliert ist, sondern wo es, aus welchen Gründen auch immer, einen Entscheidungsspielraum oder -notwendigkeiten gibt.

    Für Karl Mannheim beginnt soziales Handeln deshalb auch erst dort, "wo der noch nicht rationalisierte Spielraum anfängt, wo nicht regulierte Situationen zu Entscheidungen zwingen" [11] . Konkreter formuliert: Es ist kein Handeln ..., wenn ein Bürokrat ein Aktenbündel nach vorgegebenen Vorschriften erledigt. Es liegt auch kein Handeln vor, wenn ein Richter einen Fall unter einen Paragraphen subsumiert, wenn ein Fabrikarbeiter eine Schraube nach vorgeschriebenen Handgriffen herstellt, aber eigentlich auch dann nicht, wenn ein Techniker generelle Gesetze des Naturablaufs zu irgendeinem Zweck kombiniert. Alle diese Verhaltensweisen sollen als reproduktive bezeichnet werden, weil diese Handlungen in einem rationalisierten Gefüge nach Vorschriften ohne persönliche Entscheidung vollzogen werden.

    Der besondere Stellenwert des wissenschaftlichen und technischen Wissens in der modernen Gesellschaft ergibt sich nicht aus der Tatsache, dass wissenschaftliche Erkenntnis weitgehend als wahrhaftig, objektiv, realitätskonform, gar als unstrittige Instanz anzusehen wäre, sondern daraus, dass diese Wissensform mehr als jede andere permanent neue Handlungsmöglichkeiten schafft. Diese Handlungsmöglichkeiten können, wenn auch häufig nur vorübergehend, angeeignet werden, von Individuen ebenso wie von Unternehmen und vom Staat. Ob man allerdings davon ausgehen sollte, was nicht selten geschieht, dass diese zusätzlichen Handlungsmöglichkeiten fast immer, sozusagen automatisch den Mächtigen einer Gesellschaft oder einer Gruppe zufliessen, soll an späterer Stelle noch kritisch beleuchtet werden.

    Zunächst einmal muss unterstrichen werden, dass Wissen, Ideen und Informationen höchst merkwürdige "Entitäten" sind, und zwar mit völlig anderen Eigenschaften als zum Beispiel Güter, Waren oder auch Geheimnisse. Wird Wissen zum Beispiel verkauft, so geht es wie im Fall der Ware an den Käufer über, bleibt aber ganz im Gegensatz zur Ware weiter Eigentum seines ursprünglichen Produzenten. Somit verliert man in einem Tauschprozess nicht die Verfügungsgewalt über das Wissen.

    Wissen hat darüber hinaus keine Nullsummeneigenschaften. Für viele Bereiche des Lebens mag es durchaus vernünftig, sogar notwendig sein, Wachstumsgrenzen zu setzen; für das Wissen scheint das nicht zu gelten. Dem Wachstum des Wissens sind praktisch keine Grenzen gesetzt. [12] Im Gegenteil, Wissen repräsentiert ein Positivsummenspiel: Alle können gewinnen. Allerdings ist die gleichgewichtige Verteilung des Gewinns keineswegs garantiert. Aber eine Gleichverteilung von Wissen muss, wie ich noch exemplifizieren werde, nicht unbedingt Voraussetzung für gesellschaftlichen Einfluss und soziale Kompetenz sein.

    Wissen, so hat es den Anschein, ist ein Gemeingut (public good), es ist prinzipiell für alle da und verliert nicht an Einfluss, wenn es bekannt wird - im Gegensatz zu Geheimnissen. Dass die "Wissensschöpfung" voller Ungewissheiten steckt, schwer steuerbar und kaum zu prognostizieren ist, ist seit langem bekannt. Zu der Überzeugung, dass die Wissensnutzung risikoreich sein kann und dass der Wissenserwerb Ungewissheit nicht unbedingt reduzieren hilft, kam man dagegen erst sehr viel später.

    In der Tat, wissenschaftliche Erkenntnisse sind meist schlechter als ihr guter Ruf: Sie sind sehr oft strittiger Natur. Trotz seines hohen Ansehens ist wissenschaftliches Wissen fast immer anfechtbar. Diese Eigenschaft gilt zwar, im Kontext des Wissenschaftssystems und hier insbesondere aus der Sicht bestimmter wissenschaftstheoretischer Positionen, als Besonderheit und Tugend der wissenschaftlichen Erkenntnisweise. In alltäglichen Kontexten wird die prinzipielle Anfechtbarkeit der wissenschaftlichen Erkenntnis allerdings gern verdrängt. Da Wissen fast immer strittig ist, verliert es, zumindest teilweise, seine Praxisrelevanz. Denn Interpretationsleistungen müssen zu einem "Schluss" kommen; erst dann können sie als Handlungsfähigkeit praktisch wirksam werden.

    Diese Aufgabe, Reflexionen abzuschließen und wissenschaftliche Erkenntnisse "nützlich" zu machen, damit in praktischen Kontexten danach gehandelt werden kann, üben in der modernen Gesellschaft die Wissensarbeiter oder Experten, die vielen Berater und Ratgeber aus. Neu an dieser Entwicklung ist nicht das Entstehen von wissensfundierter Arbeit; "Experten" hat es schon immer gegeben. Neu ist die große Zahl der Berufspositionen, die wissensfundierte Arbeit erfordern, während die Zahl der Arbeitsplätze, die geringe kognitive, also geistige Fähigkeiten verlangen, rapide zurückgeht. Immer weniger Menschen sind damit beschäftigt, Dinge materiell herzustellen oder zu bewegen.

    Die Definition von Wissen als Handlungsvermögen signalisiert zudem, dass die Realisierung oder die Anwendung von Wissen immer unter bestimmten sozialen und kognitiven Rahmenbedingungen stattfindet. Zu diesen gehört unter Umständen eine sehr komplexe, kapitalintensive Infrastruktur. Es ist also nicht der objektive Erkenntnisfortschritt, welcher der unmittelbare Motor und die Bedingung für die Verwissenschaftlichung der Lebenswelt ist. Bestimmte Wissensformen transportieren nicht unbedingt einen situationsunabhängigen Wert oder konstante Handlungschancen, sondern ihr "Wirken" ist immer eine Frage der aktiven Ausarbeitung, Interpretation und schließlich der praktischen Umsetzung dieses Potenzials. Anders gesagt, das "soziale Kapital" des Wissens ist keine konstante Größe. Es ist eine Funktion des Kontexts oder situativer Faktoren, unter denen Wissen als Handlungsvermögen realisiert werden kann.

    III. Fachwissen schützt nicht vor Machtverlust

    Die Entwicklung hin zu zerbrechlichen sozialen Systemen ist offenbar das Ergebnis einer (ungleichgewichtigen) Ausweitung der Handlungsmöglichkeiten der Akteure in modernen Gesellschaften. Die Macht der großen Institutionen - wie Staat, Kirche und Militär - wird zunehmend unterminiert und abgelöst von den wachsenden Handlungskapazitäten vergleichsweise kleiner Gruppen. So führen technische Entwicklungen beispielsweise dazu, dass die Finanz- oder Wirtschaftsmärkte fragiler werden: Der Zwang der agierenden Organisationen und Personen zu Flexibilität wächst, um sich schnell verändernden Nachfrage- und Angebotskonstellationen anzupassen. Generell können scheinbar so heterogene Phänomene wie die Zunahme der politischen Partizipationschancen, das Anwachsen der "informellen" Wirtschaft, das häufigere Auftreten abweichenden Verhaltens, das Umsichgreifen von Korruption, der Zuwachs der beruflichen Qualifikationen, aber auch das dramatische Wachstum von Geldvermögen als konkrete Belege der erheblich erweiterten Handlungskapazität einzelner Gesellschaftsmitglieder und kleiner Gruppen von Akteuren angesehen werden. Der Begriff der Zerbrechlichkeit als Kennzeichnung dieses Zustands soll signalisieren, dass nicht nur die "Steuerung" der Gesellschaft durch vermeintlich mächtige Institutionen, sondern auch die Vorhersage gesellschaftlicher Entwicklungen ungleich schwieriger geworden ist.

    Die Veränderung der Handlungsmöglichkeiten, der Chancen unterschiedlicher gesellschaftlicher Subjekte, etwas in Gang zu setzen bzw. zu be- oder verhindern, ist kein Nullsummenspiel. Es lässt sich beobachten, dass die Ausweitung der Handlungskapazitäten von Individuen und kleinen Gruppen nicht bedeutet, dass etwa der Staat seine traditionellen Handlungsmöglichkeiten einschränken müsste. Dennoch wird seine Interventionsfähigkeit geringer, weil sich die Verbesserung und Ausweitung der Handlungsmöglichkeiten weitgehend auf einzelne und auf kleine soziale Gruppen beschränkt. Diese werden zu formidablen Widersachern einstmals mächtiger Institutionen. Einerseits haben der Einfluss des Staates und dessen Kontrollmöglichkeiten nicht zugenommen, andererseits aber ist der Handlungsspielraum vieler erheblich angewachsen.

    IV. Wissensgesellschaften

    Doch welche Ursachen hat diese Verschiebung der sozialen und politischen Gewichte? Worin manifestiert sich diese Entwicklung, und welche Folgen wird sie haben? Diese sozialen Veränderungen - so meine These - sind darauf zurückzuführen, dass die Wissenschaft nicht mehr nur Zugangsmöglichkeit und Schlüssel zum Geheimnis der Welt ist, sondern das Werden einer Welt repräsentiert, in der Wissen in allen Bereichen zunehmend Grundlage und Richtschnur menschlichen Handelns wird.

    Wenn Wissen in steigendem Maße nicht nur als konstitutives Merkmal für die moderne Ökonomie und deren Produktionsprozesse und -beziehungen, sondern insgesamt zum Organisationsprinzip und zur Problemquelle der modernen Gesellschaft wird, ist es angebracht, diese Lebensform als Wissensgesellschaft zu bezeichnen. Das heißt nichts anderes, als dass wir uns unsere Wirklichkeit durchweg aufgrund unseres Wissens einrichten. Wissensgesellschaften repräsentieren eine soziale und ökonomische Welt, in der Ereignisse oder Entwicklungen zunehmend "gemacht" werden, die zuvor einfach "stattfanden". So sind etwa demographische Veränderungen keine schicksalhaften Ereignisse mehr - aber sie werden ebensowenig von übermächtigen Institutionen gesteuert oder beherrscht.

    Natürlich hat Wissen seit jeher eine Rolle für das menschliche Zusammenleben gespielt; man kann geradezu von einer anthropologischen Konstante sprechen: Alle Beziehungen zwischen Individuen gründen grundsätzlich darauf, dass Menschen etwas voneinander wissen. Aber Herrschaft hat sich niemals nur auf physische Gewalt gestützt, sondern auch auf einen Wissensvorsprung. Schließlich ist die gesellschaftliche Reproduktion nicht nur eine physische, sondern beim Menschen immer auch kulturelle Reproduktion, das heißt eine Reproduktion von Wissen.

    In diesem allgemeinen Sinn kann man daher rückblickend eine Reihe vergangener Gesellschaftsformationen sehr wohl als frühe Formen von "Wissensgesellschaften" beschreiben; zum Beispiel die altisraelitische Gesellschaft, die durch das religiös-gesetzliche Torawissen strukturiert wurde, oder die altägyptische, für die das religiös-astronomische und das agrarische Wissen Herrschaftsbasis und Organisationsprinzip war. Dass unsere gegenwärtigen, entwickelten Industriegesellschaften als moderne Wissensgesellschaften bezeichnet werden können, liegt dagegen am unbestreitbaren Vordringen der modernen Wissenschaft und Technik in alle gesellschaftlichen Lebensbereiche und Institutionen.

    Wissensgesellschaften sind nicht Ergebnis eines einfachen, eindimensionalen gesellschaftlichen Wandlungsprozesses. Sie entstehen nicht aufgrund eindeutiger Entwicklungsmuster. Obschon neuere Entwicklungen in der Kommunikations- und Transporttechnik dazu beitragen, dass die einstige Distanz zwischen den Menschen schrumpft, bleibt die Isolation zwischen Regionen, Städten und Dörfern immer noch in erheblichem Maße bestehen. Die Welt öffnet sich zwar; Stile, Waren und Personen zirkulieren sehr viel intensiver, aber die Mauern zwischen den Überzeugungen von dem, was heilig ist, bleiben bestehen. Die Bedeutung von Zeit und Ort ändert sich, aber Grenzen werden weiter mit Intensität gefeiert und geachtet. Fasziniert vom Zeitalter der Globalisierung leben wir mit der Obsession von Identität und Ethnizität. Die Tendenz zur globalen "Gleichzeitigkeit" von Ereignissen geht einher mit der Territorialisierung von Sensibilitäten und der Regionalisierung von Konflikten.

    V. Herrschaft kraft Wissens

    Allerdings hat das Bemühen, die sozialen Funktionen der modernen Wissenschaft und Technik zu verstehen, immer wieder in Sackgassen geführt. Sowohl konservativ als auch liberal geprägte Gesellschaftsanalysen münden in der Regel in düstere kulturkritische Prophezeiungen einer Übermacht und Verselbstständigung wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Herrschaft technischer Artefakte ("Krisis der europäischen Wissenschaften"). Zerstört werde - so ist häufig zu hören - nicht nur die Naturhaftigkeit der Menschen, ihr Gefühlsleben, sondern auch ihr intellektuelles Vermögen und ihre Fähigkeit zu freien Willensentscheidungen. Das moderne Geschichtsverständnis betont so eher die Verengung und nicht die Erweiterung der Entwicklungsmöglichkeiten in der modernen Gesellschaft. Die Metaphern und Klischees, die sich mit Technik und Wissenschaft verbinden, sind oft genug Gleichförmigkeit, Gefühllosigkeit, Uniformierung, Ordnungswahn, Anpassung, Nivellierung, Verarmung des Denkens oder gar Unterdrückung (etwa im Sinne eines totalitären Planstaates).

    Will man aber das politische, soziale und ökonomische Geschehen der Gegenwart verstehen, muss man sich von solchen Klischees lösen. Denn es sind die rasant wachsenden Handlungsfähigkeiten und nicht etwa deren Verschwinden, welche die Institutionen der Moderne entscheidend verändern, gerade aber auch das Gefühl der Unbeweglichkeit der Gesellschaft fördern. Kollektives Unbehagen und Handlungshemmnisse sind die Kehrseite der individuellen Rastlosigkeit in Wissensgesellschaften. Die Ausweitung der Handlungschancen des Individuums ist nicht unbedingt Schlüssel zu Glück und Zufriedenheit, wie der moderne Tourismus, die Ausweitung der Informationsmöglichkeiten oder des Konsums bestätigen.

    VI. Opfer des Wissens

    Dennoch wird heute, wie schon in der Vergangenheit, in philosophischen, theologischen, politischen und sozialwissenschaftlichen Diskursen der Einzelne meist als schutzloses "Opfer" umfassender mächtiger Institutionen und Kollektive - der eigentlichen Nutznießer des wissenschaftlich-technischen "Fortschritts" - dargestellt. Die Menschen würden, so heißt es, weitgehend handlungsunfähig, eben weil Wissenschaft und Technik so erfolgreich seien. Soziale, ökonomische und technische Handlungsmittel führten, wie nicht nur Schelsky warnt, zu einer hochorganisierten, rational regulierten, stark hierarchisch geordneten, zum monolithischen System zusammengeschlossenen Gesellschaft.

    An dieser These von der "Machbarkeit" gesellschaftlicher Zusammenhänge fällt vor allem die überaus optimistische Annahme auf, dass soziales Handeln durch administrative Maßnahmen staatlicher Organe oder durch Großunternehmen geplant, kontrolliert, in bestimmte Bahnen gelenkt, unterdrückt und realisiert werden könne. Häufig wird so argumentiert, dass diese Entwicklungen die Partizipationsfähigkeiten des Einzelnen erheblich vermindern, seine Isolation steigern, die Privatsphäre bloßlegen, das Gefühl der Hilflosigkeit verstärken und die Differenzierung zwischen privatem und öffentlichem Leben aufheben.

    VII. Die Zerbrechlichkeit der Gesellschaft

    Demgegenüber kann aber gezeigt werden, dass die mit der Expansion von Wissenschaft und Technik angeblich verbundenen und im Endeffekt reglementierenden Bewegungen in Wirklichkeit das genaue Gegenteil einer Einschränkung, Konzentration und Reduktion des sozialen Handelns bewirken. Was vielmehr auffallend zunimmt, ist die erwähnte Zerbrechlichkeit sozialer Strukturen. Moderne Gesellschaften sind Gebilde, die sich vor allem durch "selbst produzierte" Strukturen und eine selbstbestimmte Zukunft auszeichnen - und damit durch die Möglichkeit, sich selbst zu zerstören.

    Vermehrte Handlungschancen der Gesellschaftsmitglieder führen nicht notwendig zu einer größeren Fähigkeit, soziales Verhalten effizient zu kontrollieren oder zu manipulieren. Die wachsende Handlungskapazität hat eher entgegengesetzte Folgen: Sie reduziert zum Beispiel die Möglichkeit, die Pläne administrativer Organe durchzusetzen, da sie aus der Sicht der Betroffenen deren Handlungsmöglichkeiten, fast im Sinn des ökonomischen Multiplikators, wesentlich steigert - unter anderem auch die Möglichkeit, Widerstand zu leisten.

    Allerdings sind moderne Gesellschaften nicht etwa deshalb politisch und gesellschaftlich zerbrechlich, weil sie liberale Demokratien sind, wie konservative Beobachter oft behaupten, sondern weil sie wissensbasierte Gesellschaften sind. Erst Wissen erhöht das Demokratiepotenzial liberaler Gesellschaften. Indem die Voraussetzungen und Chancen einer effektiven politischen Partizipation vieler wachsen, vermindert sich unter anderem die Fähigkeit des Staates, seinen Willen durchzusetzen.

    Man kann zweifellos einen Verlust an Respekt insbesondere vor der staatlich-administrativen Autorität und der Macht der Experten konstatieren. Und dieser Respektverlust macht keineswegs vor dem Wissen Halt. Wie Dorothy Nelkin in einer Studie der konkurrierenden Verwendung von technischem Fachwissen in zwei kontroversen politischen Entscheidungen in den Vereinigten Staaten - es ging darum, einen großen Flughafen auszubauen und ein Atomkraftwerk zu errichten - exemplarisch zeigt, müssen diejenigen, die gegen eine bestimmte Entscheidung opponieren, nicht unbedingt "gleichwertige Beweismittel" vorlegen. In politischen und juristischen Auseinandersetzungen reicht es häufig aus, kritische Fragen an die Experten zu stellen, um das Monopol des Fachwissens zu relativieren oder sogar zu unterminieren. In beiden Kontroversen um die zur politischen Entscheidung anstehenden Pläne waren die in den öffentlichen Anhörungen manifest gewordenen Unsicherheiten und die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Experten über technische Fragen nicht nur Stimulus und Rechtfertigung für die politischen Aktivitäten der Betroffenen - und auch für die dann getroffenen Entscheidungen -, sondern letztlich auch von größerem Gewicht als der Inhalt, an dem sich der Streit entzündet hatte. Die geplante zusätzliche Landebahn des Flughafens wurde nicht gebaut, das Atomkraftwerk nicht errichtet.

    VIII. Wissen und Demokratie

    Eine Besonderheit der vielschichtigen und oft sehr engagierten Diskussionen über die Rolle des Wissens, der Information und der handwerklich-technischen Fähigkeiten in der modernen Gesellschaft ist ihre Einseitigkeit. Im Vordergrund steht meist die Problematik der Abkopplung des Individuums von Fachwissen und technischer Kompetenz - und damit seine angebliche Rolle als hilfloses Opfer, ausgebeuteter Konsument, entfremdeter Tourist, willenloser Patient, gelangweilter Schüler oder manipulierter Wähler. Ebenso gern befassen sich die Disputanten mit dem "repressiven" Potenzial des wachsenden Wissens und der technischen Artefakte - insbesondere dann, wenn es um die angeblich umfassende soziale Kontrolle durch mächtige kollektive Akteure wie den Staat, eine soziale Klasse, multinationale Unternehmen, die Intellektuellen, den militärisch-industriellen Komplex, die Mafia, die politischen Parteien usw. geht.

    Die Prognosen, dass diese mächtigen Akteure sich irreversibel in monopolistischen Machtpositionen festsetzen würden, haben sich jedoch als falsch erwiesen. Die sozialwissenschaftliche Diskussion über die soziale Rolle des Wissens war allzu lange in klassen-, staats-, professions- oder wissenschaftszentrierten Sichtweisen befangen, die fast immer eine unmittelbar bevorstehende Konzentration der Macht in den Händen einer dieser gesellschaftlichen Gruppen befürchteten. Eine illusionslose Bewertung der sozialen Rolle des Wissens muss dagegen zu dem Schluss kommen, dass die Ausweitung des Wissens und damit der Handlungsmöglichkeitn in der modernen Gesellschaft nicht nur unüberschaubare Risiken und Unsicherheiten mit sich gebracht hat, sondern auch ein befreiendes Handlungspotenzial für viele Individuen und soziale Gruppen.

    Einer realistischeren Einschätzung der sozialen Rolle des Wissens steht die Selbstverständlichkeit im Wege, mit der dem Wissen die Eigenschaft zugeschrieben wird, bestehende Machtverhältnisse zu zementieren, da Wissensfortschritte ganz natürlich den Mächtigen zuflössen, die sie mit Leichtigkeit monopolisieren könnten, und damit die gesellschaftliche Wirksamkeit traditioneller Wissensformen immer wieder aushöhlten.

    Dieses Bild des Wissens als Repressionsinstrument unterschätzt den Einfluss verschiedener Faktoren auf die Wissensproduktion und die Schwierigkeiten bei der Überwindung sozialer und kultureller Grenzen. Genau diese Schwierigkeiten und Interpretationsspielräume sind es, die den Akteuren erhebliche Gestaltungs- und Einflusschancen gegenüber der Expertise, dem Fachwissen und dem Wissen von Autoritäten eröffnen.

    Da Wissen immer wieder (re)produziert werden muss und da Akteure es sich immer wieder neu aneignen, ergibt sich die Chance, dem Wissen seinen Stempel aufzudrücken. Der Aneignungsprozess hinterlässt Spuren, in dessen Verlauf Akteure neue kongnitive Fähigkeiten erwerben und bestehende vertiefen. Sie verbessern insgesamt die Effizienz ihres Umgangs mit Wissen, das es ihnen auch ermöglicht, kritisch mit Wissensangeboten umzugehen und neue Handlungsmöglichkeiten zu realisieren.

    IX. Unsicherheiten durch Wissen

    Die allgemeine Ausweitung des Wissens bedeutet aber nicht unbedingt, dass jeder Konsument, Patient oder Schüler plötzlich alltägliche Handlungskontexte als transparent, verständlich oder gar beherrschbar verstünde. Die Vermehrung der gesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten darf nicht als Ausschaltung von Risiken, Zufall, Willkür und generell von Handlungsmöglichkeiten, über die der Einzelne nur wenig Kontrollmöglichkeiten ausübt, missverstanden werden. Dennoch ist das Gesellschaftsbild der professionellen Pessimisten, dem zufolge nur wenige die sozialen Handlungsbedingungen kontrollieren, weit entfernt von unserer gesellschaftlichen Realität, in der potenziell viele zumindest eine begrenzte Kontrolle über die sie interessierenden Handlungsumstände ausüben.

    Die Kehrseite der Emanzipation durch Wissen ist das Risiko des emanzipatorischen Potenzials des Wissens. Die zunehmende gesellschaftliche Verbreitung von Wissen und der damit zusammenhängende Zuwachs an Handlungsoptionen produziert soziale Unsicherheit. Wissenschaft kann keine Wahrheiten (im Sinne von beweisenden Kausalketten oder universellen Gesetzen) liefern, sondern nur mehr oder weniger gut begründete Hypothesen und Wahrscheinlichkeiten. Statt Quelle von gesichertem Wissen und Gewissheit zu sein, ist Wissenschaft damit vor allem Quelle von Ungewissheit und gesellschaftspolitischen Problemen.

    Die Zukunft von Wissensgesellschaften, und das heißt auch, von Gesellschaften, die immer weniger aus Fragmenten der Vergangenheit bestehen, wird von zahlreichen Unsicherheiten, unerwarteten Rückwärtsentwicklungen und Überraschungseffekten bestimmt sein. Die zunehmende Zerbrechlichkeit von Wissensgesellschaften wird neuartige moralische Fragen (wie zum Beispiel das Recht auf Unwissen oder das Recht, Fehler zu machen) sowie die Frage nach der politischen Verantwortung für die häufig schon heute konstatierte politische Stagnation aufwerfen.

    Wenn Wissen und im Prinzip strittige Erkenntnisse zu dem konstitutiven Merkmal der modernen Gesellschaft werden, kann sich die Produktion, Reproduktion, Verteilung und Realisation von Wissen explizit politischen Auseinandersetzungen nicht mehr entziehen. Eines der wichtigsten Themen der nächsten Jahrzehnte wird daher die Frage nach der Überwachung und Kontrolle des Wissens sein. Damit wird die Entwicklung eines neuen Politikfeldes, der Wissenspolitik, einhergehen (müssen). Wissenspolitik kommt dem ungewissen Versuch gleich, das rapide wachsende neue Wissen zu regulieren, zu überwachen und dessen Entwicklung zu beeinflussen. Ob vergangene politische Erfahrungen und Ressourcen die zukünftige Wissenspolitik determinieren können, wird sich erst noch erweisen.
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    Fußnoten

    1.
    Vgl. Anthony Giddens, A Contemporary Critique of His"torical Materialism. Band 2: The Nation-State and Violence, Berkeley 1985.
    2.
    Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie. Band 1 Tübingen 1920, S. 187.
    3.
    Ebd., S. 203.
    4.
    Helmut Schelsky, Zukunftsaspekte der industriellen Gesellschaft, in: Merkur, (1954) 8, S. 13 - 28.
    5.
    André Gorz, Welches Wissen? Welche Gesellschaft?, in: Heinrich-Böll-Stiftung, Textbeitrag zum Kongress "Gut zu Wissen. Links zur Wissensgesellschaft", Berlin, 4. - 6. Mai 2001, S. 12.
    6.
    Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1974, S. 594.
    7.
    Vgl. auch die Definition von Information von Albert Borgmann, Holding on to Reality. The Nature of Information at the Turn of the Millenium, Chicago 1999, S. 1.
    8.
    Allerdings bezieht sich in der Etymologie Macht auf Fähigkeit; und eine der grundlegendsten Definitionen von "Fähigkeit" wäre, "einen Unterschied zu machen". In diesem Sinn und nicht in dem Sinn, in dem Macht üblicherweise im Zusammenhang mit sozialen Beziehungen diskutiert wird, nämlich als Macht, die zum Erreichen einer Sache oder über einen Menschen ausgeübt wird, klingt in der Definition von Macht als Fähigkeit die Vorstellung von Wissen als Befähigung an. Vgl. Torben Bech Dyrberg, The Circular Structure of Power: Politics, Identity, Community, London 1997, S. 88 - 99.
    9.
    Francis Bacon, Novum Organum (N. O. I), Alph. 3, Hamburg 1990.
    10.
    Diese Begriffsbestimmung von Wissen erinnert etwa an Ludwig von Mises" (L. v. Mises, Die Gemeinwirtschaft: Untersuchungen über den Sozialismus, Jena 1922, S. 14) soziologische Definition von Eigentum: "Als soziologische Kategorie betrachtet erscheint das Eigentum als das Vermögen, die Verwendung wirtschaftlicher Güter zu bestimmen." Das "Eigentum" an Wissen und damit die Verfügungsgewalt über Wissen ist in der Regel nicht exklusiv. Diese Exklusivität verlangt aber die Rechtslehre als konstitutive Begriffsbestimmung von Eigentum oder der Institution von Eigentum. Das formale Recht kennt, wie bekannt ist, Eigentümer und Besitzer; insbesondere kennt es Individuen, die haben sollten, aber nicht haben. Aus der Sicht des Rechtssystems ist Eigentum unteilbar. Es spielt auch keine Rolle, um welche konkreten materiellen oder immateriellen "Sachen" es sich handelt. Die handlungsrelevante Bedeutung von Wissen liegt ebenfalls primär in der tatsächlichen Fähigkeit, über Wissen als Handlungsvermögen verfügen zu können. Vgl. auch Wolfgang Krohn, Francis Bacon, München - Frankfurt / M. 1988, S. 87 - 89; ders., Wissen ist Macht: Zur Soziogenese "eines'neuzeitlichen wissenschaftlichen Geltungsanspruchs, in: Kurt Bayertz (Hrsg.), Wissenschaftsgeschichte und wissenschaftliche Revolution, Köln 1981, S. 29 - 57.
    11.
    Karl Mannheim, Ideologie und Utopia, Bonn 1929.
    12.
    Vgl. auch Max Weber, Wissenschaft als Beruf, in: ders., Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1992 (1919), S. 524 - 579.