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26.5.2002 | Von:
Günter Schlusche

Die Parlaments- und Regierungsbauten des Bundes im Kontext der Berliner Stadtentwicklung

X. Fazit

Gemessen an den Erwartungen, die in den ersten Jahren an den Umzug des Bundes nach Berlin geknüpft waren, hat seine Präsenz in Berlin weniger bewirkt als angenommen. Die auch von Seiten der privaten Wirtschaft gehegten Hoffnungen, dass sich im Sog des Bundes die ökonomische und demographische Situation der Stadt grundlegend bessern würde, haben getrogen. Ebenso falsch waren die Projektionen eines neuen Zentralismus oder einer Wiederbelebung alter preußischer Zustände. Gerade die städtebauliche Physiognomie des Bundes in Berlin macht deutlich: Berlin organisiert sich als Hauptstadt eines so vorher nie dagewesenen föderalen Staatswesens mit europäischer Perspektive. Diese Restrukturierung wird durch Aneignung und Kultivierung der vorhandenen Räume und Bauten vollzogen. Das Band des Bundes im Spreebogen bleibt die einzige städtebauliche Großintervention des Bundes, deren Vollendung jedoch mehr Zeit braucht und die ohne Einbeziehung anderer Entwicklungskräfte ihre städtischen Qualitäten nicht wird entfalten können. In der Alten Mitte trägt die Präsenz des Bundes zur Stadtwerdung bei, füllt potenzielle Leerstellen aus und verbessert die Lesbarkeit der historischen Entwicklung. Schließlich leistet das Hinzutreten des Bundes auch für die Gesamtstadt etwas Großartiges: Durch die Stärkung seiner Ränder wird der Tiergarten zur grünen Mitte der Stadt.

Die Quintessenz des städtebaulichen Wirkens des Bundes in der Stadt könnte lauten: weiterbauen. Denn der Bund gebärdet sich nicht als exterritoriale Kraft, sondern begibt sich in das Kontinuum der Stadtgeschichte mit all ihren Brüchen. Mit dem jetzigen Stadium sind die städtischen Wirkungskräfte des Bundes im Übrigen keinesfalls ausgeschöpft - das zeigt die noch bevorstehende Urbanisierung des Spreebogens und der Dorotheenstadt. Der Bund sollte sich auch weiterhin dem Anspruch stellen, Öffentlichkeit zuzulassen und die öffentlichen Räume zu stärken - in und zwischen seinen Häusern sowie entlang der Ufer und Parks. Mit der Verlagerung der zurzeit noch in Bonn befindlichen Ministerien zeichnet sich zudem ein weiteres Pensum für die Stadt und den Bund ab. Es wäre schön, wenn der Bund sich hier - wie bisher - als Partner der Stadt und der städtischen Öffentlichkeit präsentieren und die hauptstädtische Entwicklung Berlins als einen Prozess begreifen würde, dessen Ende nicht in Sicht ist, auch wenn die Gerüste gefallen sein mögen.