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26.5.2002 | Von:
Günter Schlusche

Die Parlaments- und Regierungsbauten des Bundes im Kontext der Berliner Stadtentwicklung

III. Der Bund in der Alten Mitte

Nur wenige hundert Meter weiter südlich der Linden ist in den Blöcken der Friedrichstadt zwischen Wilhelmstraße und Markgrafenstraße zu sehen, welche positive Wirkung die in die vorhandene Baustruktur eingeflochtenen Standorte verschiedener Bundesministerien haben. Die Bauten des Bundesministeriums für Justiz, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung oder das heute vom Bundesrat genutzte ehemalige Preußische Herrenhaus knüpfen z. T. an über hundertjährige Nutzungstraditionen an und sind gleichzeitig Beleg für eine lebendige denkmalgerechte Umnutzungskultur. [12] Von diesen Gebäuden geht keine Aura der Unnahbarkeit - etwa durch überzogene Sicherheitsanforderungen - aus, sie erzeugen kaum Verdrängungseffekte, sondern bieten ein gewisses Maß an städtischer Reibungsfläche, aus der sich hochwertige Nutzungsgeflechte zu anderen hochwertigen Standorten, aber auch zu Sekundärnutzungen wie Gastronomie oder Dienstleistungen ergeben können. Die zahlreichen in der Friedrichstadt genutzten Vertretungen der Bundesländer und Standorte der ausländischen Botschaften wie etwa von Frankreich, Großbritannien, Polen oder Belgien zeigen, dass diese Institutionen dem Beispiel des Bundes gefolgt sind. Ihre Existenz belegt die Vereinbarkeit von Hauptstadt-Funktionen und Urbanität auf überzeugende Weise. Eine Ausnahme wird möglicherweise die Botschaft der USA am Pariser Platz darstellen, deren gestiegene Sicherheitsansprüche offensichtlich zu einigen städtebaulichen Konzessionen führt, die für den Stadtgrundriss und für die Wiederherstellung der öffentlichen Räume an dieser so prominenten Stelle eigentlich nicht akzeptabel sind.

Fußnoten

12.
Vgl. Jürgen Tietz, Glück auf, in: Architektur in Berlin - Jahrbuch 2000, Hamburg - Dresden 2000, S. 32; Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.), Hauptstadt Berlin - Denkmalpflege für Parlament, Regierung und Diplomatie, Berlin 2000.