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26.5.2002 | Von:
Günter Schlusche

Die Parlaments- und Regierungsbauten des Bundes im Kontext der Berliner Stadtentwicklung

V. Schwerpunkt Spreeinsel

Der Bereich zwischen Schlossplatz und Molkenmarkt hat im Lauf der sechsjährigen Planungsphase die einschneidendsten Änderungen erfahren müssen. Bis 1994 ging der Bund noch davon aus, hier mindestens drei Ministerien unterzubringen. In dem 1993 für den Bereich der Spreeinsel, also das Gebiet um den Schlossplatz, ausgelobten städtebaulichen Wettbewerb war das Auswärtige Amt, das Bundesinnenministerium sowie ein Bundeskonferenzzentrum vorgesehen. [14] Um dieses Volumen unterzubringen, war der Abriss des den östlichen Teil des Schlossstandortes einnehmenden Palastes der Republik, des Staatsratsgebäudes und des DDR-Außenministeriums als verbindliche Vorgabe formuliert. Mit anderen Worten: Mit einem Schlag sollten die gesamten DDR-Staatsbauten dieses Bereichs verschwinden. Doch nicht genug damit: Nach den Vorstellungen des damals durch die FDP-Politikerin Irmgard Schwaetzer geführten Bundesbauministeriums wären auch das ehemalige Staatsbankgebäude auf dem benachbarten Friedrichswerder sowie das ehemalige Reichsluftfahrtministerium abgerissen worden.

Diese Pläne offenbarten tiefe Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Bund und Berlin und stießen auch in der Fachöffentlichkeit auf erheblichen Widerspruch. [15] Die beim Spreeinsel-Wettbewerb im Mai 1994 getroffene Entscheidung für ein von Bernd Niebuhr entworfenes "Stadthaus" in den räumlichen Abmessungen des ehemaligen Schlosses brachte aufgrund der unausgewogenen Nutzungskonflikte keine Lösung, sondern führte nur in neue Schwierigkeiten. [16] Während die Frage nach einem adäquaten Nutzungsprogramm für diesen Ort ungelöst beiseite geschoben wurde, machten die Protagonisten eines Wiederaufbaus des Schlosses mit der Fassadensimulation vom Sommer 1993 erfolgreiche Publikumswerbung für ihre Sache, und das DDR-Außenministerium verschwand.

Fußnoten

14.
Vgl. Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau mit Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Internationaler städtebaulicher Ideenwettbewerb Spreeinsel Berlin, Bonn - Berlin 1994.
15.
Vgl. Bruno Flierl, Berlin baut um - Wessen Stadt wird die Stadt?, Berlin 1998, S. 107 ff.
16.
Vgl. Bundesministerium für Raumordnung (Anm. 14).