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26.5.2002 | Von:
Günter Schlusche

Die Parlaments- und Regierungsbauten des Bundes im Kontext der Berliner Stadtentwicklung

VI. Das Altbaukonzept von Klaus Töpfer

Die Wende kam mit dem seit Ende 1994 amtierenden Bundesbauminister Klaus Töpfer, der allen Abriss- und Neubauplänen für Bauten des Bundes eine klare Absage erteilte. Sein 1995 vorgelegtes Standortkonzept vollzog den Schwenk zu einem bestandsorientierten Vorgehen, das Gebäude aus allen Zeitschichten, auch der DDR-Ära, einschloss. Dieses Konzept konnte nicht nur das schlagende Argument der geringeren Kosten aufweisen, es führte auch aus dem immer belastender gewordenen Perfektheitsanspruch an den Berlin-Umzug heraus, hinter dem sich die unvermindert tätigen Berlin-Gegner in den Verwaltungen verbargen. Zudem setzte es ungeahnte Potenzen für die städtebauliche Aktivierung der im Zentrum vorhandenen Altbauten frei und ermöglichte eine differenzierte denkmalpflegerische Auseinandersetzung mit dem Bestand.

Für den Bereich zwischen Schlossplatz und Molkenmarkt hatte dies doppelte Konsequenzen. Die Abrisspläne für das Staatsratsgebäude und die ehemalige Reichsbank wurden endgültig aufgegeben, langfristig jedoch hat der Bereich für die Regierungsfunktionen des Bundes rapide an Bedeutung verloren. Daran änderte auch die vorübergehende Unterbringung des Kanzleramts im Staatsratsgebäude bis zum April diesen Jahres nichts. Der Bund wird in diesem Bereich in Zukunft nur durch das westlich der Spreeinsel gelegene Auswärtige Amt vertreten sein - dies allerdings auf höchst eindrucksvolle Weise. Der strenge, sich leicht der Spreebiegung anpassende Altbau der Reichsbank, der zu DDR-Zeiten Sitz des Zentralkomitees der SED war, hat durch den neuen Kopfbau der Architekten Müller und Reimann eine moderne, innerstädtisch sehr angemessene Neuinterpretation erfahren. Das wohlproportionierte Wechselspiel von Glasfassaden, Natursteinflächen und Innenhöfen stellt einen angenehmen Kontrast zur schier endlosen Reihung der Fensterachsen des Altbaus dar. Vom nördlichen Lichthof des Neubaus, der für Ausstellungen und Veranstaltungen öffentlich zugänglich ist und ein kleines Café beherbergt, öffnet sich der Blick auf den halbwegs wiederhergestellten Stadtraum um den Werderschen Markt.