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26.5.2002 | Von:
Günter Schlusche

Die Parlaments- und Regierungsbauten des Bundes im Kontext der Berliner Stadtentwicklung

IX. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Zur Präsenz des Bundes in Berlin gehört auch die von ihm mitgetragene und sehr differenzierte Gedenkstätten- und Erinnerungslandschaft. Damit ist insbesondere die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus gemeint, die zum Kern des staatlichen Selbstverständnisses der Bundesrepublik gehört. In Berlin wird sich dies nicht nur in Form von verbalen Bekenntnissen, Feierstunden und Kofinanzierungen, sondern vor allem in Gestalt des Denkmals für die ermordeten Juden Europas darstellen. Die 1999 getroffene Entscheidung des Deutschen Bundestages für dieses Denkmal kann in gewisser Hinsicht als Pendant zu seinem Berlin-Beschluss von 1991 gesehen werden. Denn damit wird deutlich, dass der Bund in Berlin keinen Neuanfang macht, sondern sich sehr bewusst zu seiner historischen Verantwortung und zur Kontinuität der deutschen Geschichte bekennt. [18] Das Denkmal wird in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tores entstehen, also an einem Ort, der durch ein Höchstmaß an Öffentlichkeit geprägt ist. Der Entwurf des amerikanischen Architekten Peter Eisenman gibt Grund zu der Annahme, dass hier ein ästhetisch völlig neuer Typus von Kunst im Stadtraum entsteht, der einen höchst attraktiven Raum für die von jedem Einzelnen zu leistende Erinnerungsarbeit bietet.

Fußnoten

18.
Vgl. Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Informationsblatt, Berlin 2000.