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26.5.2002 | Von:
Sigrid Graumann

Zur Problematik der Präimplantations-
diagnostik

These 6: Eine Begrenzung der Indikation für die Präimplantationsdiagnostik ist auf Dauer unpraktikabel

In der öffentlichen und politischen Diskussion über PID hat sich bei den Befürwortern ein Konsens abgezeichnet, die PID wenn überhaupt nur für wenige Einzelfälle zuzulassen. Das trifft auch für den Richtlinienentwurf der Bundesärztekammer zu. Fraglich ist allerdings, wie sich die Indikationen für die PID einschränken lassen könnten. Hierfür sind vor allem zwei Modelle im Gespräch:

Die einfachste Möglichkeit wäre, einen Indikationskatalog mit schweren Krankheiten oder Behinderungen festzulegen. Allerdings würden dies viele Menschen, die selbst mit den genannten Krankheiten oder Behinderungen leben, berechtigterweise als diskriminierend empfinden. So wehrt sich beispielsweise Stephan Kruip für die Selbsthilfegruppe Mukoviszidose e.V. dagegen, dass Mukoviszidose immer als Paradebeispiel für die Notwendigkeit der PID angeführt wird. Aus dem genannten Grund wird ein solcher Indikationskatalog für ethisch nicht rechtfertig- und politisch nicht durchsetzbar gehalten.

Eine weitere Möglichkeit wäre eine Generalklausel, welche die antizipierte Belastung der Frau durch das Leben mit einem chronisch kranken oder behinderten Kind zum Maßstab macht. Das wäre vergleichbar mit der Regelung des Schwangerschaftsabbruchs nach einer Pränataldiagnostik. Allerdings zeigt die Erfahrung mit der Pränataldiagnostik auch, dass eine derartige Indikationsbegrenzung wenig wirkungsvoll ist. Die Begrenzung der Zulässigkeit der PID für wenige Einzelfälle könnte so jedenfalls nicht gewährleistet werden.

Die Bundesärztekammer macht deshalb den Vorschlag, dass nur sehr schweren, lebensbedrohlichen Krankheiten und Behinderungen die Durchführung einer PID nach Einzelfallprüfung durch eine zentrale Kommission erlauben sollen. Allerdings wäre eine derartige Einzelfallprüfung eine kaum zu rechtfertigende Bevormundung der betroffenen Paare. Die Mitglieder einer derartigen Kommission müssten die subjektiv empfundene Belastung betroffener Paare unter Umständen in Frage stellen. Wie sollten die Kommissionsmitglieder eine solche Entscheidung gegenüber dem betroffenen Paar begründen?

Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die PID eingesetzt werden kann, um die Erfolgsraten der In-vitro-Fertilisation zu erhöhen. Es ist bekannt, dass viele frühe Fehlgeburten aufgrund von Chromosomenstörungen des Embryos geschehen. Wenn man solche Embryonen schon im Labor erkennen würde, wären die Wahrscheinlichkeit einer erfolgversprechenden Schwangerschaft und damit die Erfolgsraten nach einer künstlichen Befruchtung höher. Wenn die PID erst einmal für die so genannten Risikopaare zulässig ist, scheint es kaum gute Gründe dafür zu geben, warum sie Frauen, die sich wegen ungewollter Kinderlosigkeit einer In-vitro-Fertilisation unterziehen, nicht angeboten werden darf.

Es scheint also tatsächlich so zu sein, wie die Humangenetikerin Traute Schröder-Kurth sagt, dass die PID nur entweder ganz oder gar nicht zu haben sei. Eine Indikationsbeschränkung wird sich auf Dauer jedenfalls kaum durchhalten lassen.