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26.5.2002 | Von:
Sigrid Graumann

Zur Problematik der Präimplantations-
diagnostik

These 9: Die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik würde die tendenzielle Behindertenfeindlichkeit in der Gesellschaft weiter fördern

Die Veränderung gesellschaftlicher Wertvorstellungen durch eine neue Qualität von "Lebenswertentscheidungen" im Fall der Etablierung der PID in der medizinischen Praxis birgt die Gefahr, diskriminierende Tendenzen gegenüber chronisch Kranken und Behinderten in der Gesellschaft zu verstärken. Dabei geht es nicht darum zu behaupten, die individuelle Entscheidung eines Paars oder einer Frau zur Inanspruchnahme der PID sei an sich ein diskriminierender Akt. Es ist vielmehr der gesellschaftliche Wertewandel selbst im Zusammenspiel vieler individueller Entscheidungen, gesellschaftlicher Erwartungshaltungen und damit verbundenen "Lebenswertzuschreibungen" der zur Beförderung unserer ohnehin schon behindertenfeindlichen Gesellschaft führen kann. Es ist zu befürchten, dass dies zur gesellschaftlichen Legitimierung einer zunehmenden Diskriminierung, Stigmatisierung und Entsolidarisierung von chronisch Kranken, Behinderten und deren Familien führt. Das ist das Hauptargument von Seiten der Behindertenverbände und der Behindertenselbsthilfebewegung gegen die Zulassung der PID.