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3.12.2002 | Von:
Frank Brettschneider

Die Medienwahl 2002: Themenmanagement und Berichterstattung

III. Themenkompetenz und Thematisierungsversuche der Parteien

Thematische Stärken und Schwächen der Parteien waren aus Sicht der Wählerinnen und Wähler vor der Wahl relativ klar zu erkennen. So wurde der Union und ihrem Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber in den Bereichen Wirtschafts-, Haushalts-, Steuer- und Arbeitsmarktpolitik mehr zugetraut als der SPD und Bundeskanzler Gerhard Schröder. Im September 2002 trauten beispielsweise 43 Prozent der Bundesbürger eher der Union die Sicherung vorhandener und die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu - gegenüber 32 Prozent, die diesbezüglich die SPD für kompetenter hielten. [13] Auch in der Bildungspolitik nahm die Bevölkerung einen Kompetenzvorsprung der Union wahr. Bei der Gesundheits- und der Ausländerpolitik gab es mehr oder weniger einen Gleichstand zwischen den beiden Volksparteien. Der SPD wurde eher zugetraut, sich für den Frieden einzusetzen (37 vs. 23 Prozent für die Union) und eine verlässliche Außenpolitik zu betreiben (36 vs. 29 Prozent). Friedens- und Außenpolitik waren ebenfalls die Stärken der Grünen (21 bzw. 19 Prozent), die zudem bei der Umweltpolitik mit 54 Prozent unangefochten an der Spitze lagen. Der FDP schrieben in keinem Politikfeld mehr als 7 Prozent der Wählerinnen und Wähler die größte Kompetenz zu. Man kann sagen, dass die FDP von der Bevölkerung nicht unter thematischen Gesichtspunkten wahrgenommen wurde.

Die Kommunikationsprofis wissen um die Stärken und Schwächen ihrer Parteien. Folgerichtig betreiben sie Agenda-Setting - u.a. mittels Interviews, Wahlkampfreden, Plakaten und Auftritten in Talkshows. Auch in den 535 Presseerklärungen, die in den letzten vier Wochen vor der Wahl herausgegeben wurden, spiegeln sich die oben genannten Stärken und Schwächen wider (vgl. Tabelle 1, s. PDF Version). Wie in den Interviews und den beiden "TV-Duellen" konzentrierten sich die Union und Edmund Stoiber auf die wirtschafts- und finanzpolitischen Themen sowie den Arbeitsmarkt. Deutschland wurde als Schlusslicht unter den EU-Staaten charakterisiert. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten seien hausgemacht, die Verantwortung dafür trage die Bundesregierung. Den gleichen thematischen Schwerpunkt setzte die FDP. In etwas geringerem Umfang äußerte sich die SPD zur Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Wirtschaftliche Probleme wurden nicht geleugnet, die Ursachen dafür wurden aber in der Entwicklung der Weltwirtschaftslage gesucht. Auch wurde mit den Vorschlägen der Hartz-Kommission versucht, den Eindruck von Tatkraft und Problembewusstsein zu vermitteln.

Daneben stand im Zuge der Elbe-Flut das klassische SPD-Thema Solidarität im Mittelpunkt, bis es von der Thematisierung einer deutschen Beteiligung an einem hypothetischen Angriff der USA auf den Irak abgelöst wurde. Auch bei den Grünen nahm die internationale Politik - verbunden mit Außenminister Joschka Fischer - einen breiten Raum ein. Sie wurde in den Presseerklärungen sogar häufiger thematisiert als das urgrüne Thema Umweltpolitik.

Fußnoten

13.
Vgl. Infratest dimap Deutschland-Trend (www.infratest-dimap.de/politik/deutschlandtrend/dt0210/default.htm).