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3.12.2002 | Von:
Frank Brettschneider

Die Medienwahl 2002: Themenmanagement und Berichterstattung

V. Medien-Agenda, Medientendenz und Wahlabsicht

Die Zusammensetzung der Medien-Agenda schlägt sich auch in der Medientendenz nieder, also in der medialen Gesamtbewertung der Parteien und ihrer Kandidaten. Ob die Regierung oder die Opposition in den Medien besser abschneidet, hängt wesentlich vom thematischen Umfeld der Berichterstattung ab. Im Juli, als die Medien in nennenswertem Umfang über den Arbeitsmarkt und die Wirtschaftslage in Deutschland berichteten, ging die Bewertung von Union und FDP deutlich nach oben (vgl. Abbildung 4, s. PDF Version). Mit der Verdrängung des Themas durch die Irak-Debatte verschlechterte sich auch die mediale Bewertung der Opposition. Im Gegenzug stieg hingegen die Bewertung der Regierung, die noch im Juli ihren Tiefpunkt erreicht hatte: Den 6,5 Prozent positiven Aussagen standen im Juli 16,9 Prozent negative Aussagen gegenüber. Bis zum September verringerte sich die Kluft von 10,4 Prozentpunkten auf nur noch 4 Prozentpunkte. Damit stand die Regierung kurz vor der Wahl besser da als die Opposition. Dies ist nicht nur auf die gestiegene Medienpräsenz der Außenpolitik zurückzuführen - auch die Probleme der FDP sowie die für die Regierung verbesserten Umfragewerte trugen zu der steigenden Medientendenz bei.

Die Medientendenz ist ihrerseits ein wichtiger Orientierungspunkt für die noch unentschiedenen Wähler. Auch kann sie die Mobilisierung der Wechselwähler beeinflussen. Mit medialem Rückenwind lässt es sich an den Infoständen der eigenen Partei und auf Wahlveranstaltungen besser "kämpfen". So schlägt sich die Medientendenz denn auch in der Wahlabsicht nieder. Dabei ist für die Wahlabsicht in den letzten Wochen vor der Wahl nicht nur die aktuelle Berichterstattung von Bedeutung, sondern auch das Medienbild, das sich in den drei einer Umfrage vorausgehenden Wochen gebildet hat. Die Kumulation der Berichterstattung kann vorhandene Trends in der Bevölkerung verstärken - gelegentlich sogar anstoßen. [14]

So ging der Aufholjagd der Regierung in der Wahlabsichtsfrage eine in der letzten Juli-Woche (30. Woche) beginnende Verbesserung der Medientendenz voran. Mitte August (34. Woche) war der Drei-Wochen-Wert der Regierung dann besser als der Drei-Wochen-Wert der Opposition. Zwei Wochen später, Anfang September, konnte die Regierung in der Wahlabsichtsfrage erstmals die Opposition überholen (vgl. Abbildung 5, S. 46, s. PDF Version). Obwohl sich die Bewertungen von Union und FDP einerseits sowie von SPD und Grünen andererseits in den beiden letzten Wochen vor der Wahl wieder leicht aneinander annäherten, reichte der Schub, den die Regierung in der Berichterstattung zwischen der 30. und der 36. Woche erfahren hatte, aus, um als Sieger die Ziellinie zu überqueren.

Fußnoten

14.
Vgl. Elisabeth Noelle-Neumann, Kumulation, Konsonanz und Öffentlichkeitseffekt, in: Publizistik, 18 (1973) 1, S. 26 - 55.