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3.12.2002 | Von:
Eike Hebecker

Experimentieren für den Ernstfall - Der Online-Wahlkampf 2002

V. Portale, Kanäle und Kampagnen 2002

Der Online-Wahlkampf zeichnet sich auch 2002 durch eine deutliche Dominanz der Parteiangebote und der berichterstattenden Medien aus, die quasi die Zentren der Wahlkampfkommunikation bilden und eine Standardisierung und Professionalisierung aufweisen. Während die Nachrichtenmedien ihre Aktivitäten vor allem in Wahl-Specials zusammenfassen (wie z.B. die ARD auf der Website wahl.tagesschau.de), haben die Parteien ihre Angebote in verschiedene Plattformen bzw. Kanäle gegliedert. Am differenziertesten ist hier die SPD vorgegangen, deren Parteiportal (spd.de) von vornherein in einem Channel-System organisiert ist, das sich zielgruppenorientiert an Mitglieder, Presse, Unterstützer und Jugendliche wendet. Hinzu kam die Negative-Campaigning-Plattform (nicht-regierungsfaehig.de), die Aktionsseite zu den TV-Duellen (spd-extra.de), die Unterstützersite (wir-fuer-schroeder.de) und die Personality-Site des Kanzlers (gerhard-schroeder.de) als "Herzstück" der Online-Kampagne. In ähnlicher Weise haben sich auch die anderen Parteien positioniert. Die CDU hat mit wahlfakten.de eine bewusst sachlich gehaltene Themen- und Informationsplattform installiert, die insbesondere für flexible und schnelle Reaktionen (Rapid-Response) auf die Wahlkampf- und Medien-Events des politischen Gegners genutzt wurde.

Parallel dazu wurden die persönliche Website des Kanzlerkandidaten (stoiber.de) und die Kampagnenplattform zeitfuertaten.de positioniert. Das Pendant von Bündnis 90/Die Grünen firmierte ebenfalls unter dem Kampagnennamen gruen-wirkt.de. Die PDS hat im Wahljahr die Online-Aktivitäten der Partei auf dem neuen Portal sozialisten.de zusammengeführt und unter pds2002.de eine separate Wahlkampfseite eingerichtet. Die FDP stellte auf ihrer Aktionsseite achtzehnzweitausendzwei.de neben unzähligen Events und Spaßaktionen das Online-Spenden in den Mittelpunkt. Mit dem Bürgerfonds sollte jedoch nicht nur Geld gesammelt werden: "18|2002 Bürgerfonds für Deutschland ist die erste professionell gestaltete und transparente Fundraising-Kampagne in der deutschen Politik. Sie ist die Antwort der FDP auf die Spendenskandale anderer Parteien.

Die FDP macht mit dieser Kampagne die Spendenwerbung selbst zum Wahlkampfthema." Dass die FDP pikanterweise unmittelbar nach der Wahl in einen Spendenskandal um die Finanzierung des Flugblattes von Vize-Parteichef Jürgen Möllemann geraten ist, lässt sich aber eher auf die "konventionelle" Spendenpraxis zurückführen. Darüber hinaus wurde selbstverständlich die Reise von FDP-Chef Guido Westerwelle im "Guidomobil" auf der Website guidomobil.de begleitet. Dieses Format der Online-Begleitung von Offline-Events ist ein zentraler inhaltlicher und struktureller Baustein aller Wahlkampfangebote. Die Rundreisen und Auftritte der Spitzenkandidaten werden so zu einem interaktiven Event verknüpft, dessen Schritte und Stationen lückenlos im Netz verfolgt werden können. Dabei dient das Internet einerseits als Werbebanner, andererseits als Vertiefungsmedium und zur Dokumentation der Ereignisse.