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5.8.2002 | Von:
Ludwig Watzal

Editorial

Der Begriff der "Nachhaltigkeit" wird oft als modischer Politslogan gebraucht. Tatsächlich beinhaltet das Konzept aber wichtige politische Inhalte: Die Entwicklung der Gegenwart soll zukünftige Generationen nicht einschränken.

Einleitung

Der Begriff der "Nachhaltigkeit" wird oft als modischer Politslogan gebraucht. Tatsächlich beinhaltet das Konzept aber wichtige politische Inhalte. Erstmalig wurde "nachhaltige Entwicklung" im Brundtland-Bericht 1987 erwähnt; das Konzept stand hier für einen Interessenausgleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro formulierte ein Handlungsprogramm, in dem sich alles um "Nachhaltigkeit" drehte. Mit dem Nachhaltigkeitskonzept soll den Bedürfnissen der heute lebenden Menschen Rechnung getragen werden, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen einzuschränken. Die nationalen Regierungen verpflichteten sich in Rio, Nachhaltigkeitsstrategien zu entwickeln, die neben den ökologischen auch die sozialen und ökonomischen Aspekte einbeziehen sollten.

Kurz vor der UN-Konferenz in Johannesburg ist von einem Aufbruch in Richtung Nachhaltigkeit wenig zu spüren, konstatiert Ulrich Grober in seinem Essay. Routinierte Betriebsamkeit einiger Politiker und trotziger Aktivismus von Graswurzel-Initiativen änderten nichts daran. Der Autor zieht aus seiner ernüchternden Bilanz das Resümee, dass Konstruktives Zeit brauche. Es bedürfe eines tief greifenden Transformationsprozesses, um das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung in der gesamten Gesellschaft zu verankern.

Den Stellenwert einer Politik der Nachhaltigkeit für Deutschland beschreibt Günther Bachmann. Er verweist auf die große Bedeutung einer solchen nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, welche die Bundesregierung in 21 Zielvorgaben für zentrale Politikbereiche festgeschrieben hat. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung habe deutlich gemacht, dass die Bundesregierung die Strategie in einem Regierungsprogramm umzusetzen beabsichtige.

Global denken, lokal handeln ist zum Leitmotiv der Umweltbewegung geworden. Eick von Ruschkowski untersucht, inwiefern die in Rio 1992 beschlossene Lokale Agenda 21 mit ihrem Prinzip der Nachhaltigen Entwicklung in den Kommunen in Deutschland praktisch umgesetzt worden ist. Die Bilanz der Lokalen Agenda 21 falle aber alles in allem ernüchternd aus, obwohl Deutschland im internationalen Vergleich sehr gut abschneide. Es seien zahlreiche Probleme aufgetreten, die der Autor aber in Zukunft durch eine umsichtige Organisation für lösbar hält.

Der Frage, wie nachhaltig die Agrarpolitik in Deutschland ist, gehen Holger Meyer und Wilfried Gaum nach. Defizite auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit werden für die Agrarpolitik der Europäischen Union festgestellt; auf ihr laste ein Reformstau. Für beide Autoren kann die Konzeption der Landwirtschaftpolitik des Landes Niedersachsen zukunftsweisend werden. Der Vorschlag einer Regierungskommission habe ein konsistentes, finanzierbares und nachhaltiges Agrarpolitikmodell entwickelt, das insbesondere die soziale Dimension der Nachhaltigkeit mitberücksichtige.

Wie nachhaltige Entwicklung auch in der privaten Unternehmenskultur realisiert werden kann, beschreiben Stefan Schaltegger und Holger Petersen. Zur Verwirklichung trage insbesondere das Konzept des "Ecopreneurships" bei. Dieses ökologieorientierte Unternehmertum ziele nicht primär auf technische Verfahren oder Managementsysteme, sondern basiere auf dem persönlichen Antrieb eines Unternehmers, ökologische Marktchancen für sich zu erschließen. Es handle sich um ein marktorientiertes und zugleich demokratisches Konzept, in das alle Mitarbeiter einbezogen würden.