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5.8.2002 | Von:
Stefan Schaltegger
Holger Petersen

"Ecopreneure": Nach der Dekade des Umweltmanagements das Jahrzehnt des nachhaltigen Unternehmertums?

III. Was ist Ecopreneurship?

Der Begriff "Ecopreneurship" setzt sich aus ökologischer Orientierung ("Eco") und unternehmerischem Handeln bzw. Unternehmertum ("Entrepreneurship") zusammen. Ecopreneurship kann also mit ökologieorientiertem Unternehmertum übersetzt werden. Dem Ecopreneurship lassen sich grundlegende Merkmale der unternehmerischen Tätigkeit zuordnen. Diese Tätigkeit ist weniger an Managementsysteme oder technische Verfahren als an den persönlichen Antrieb und die Fähigkeiten eines Entrepreneurs gebunden, ökologisch bedeutende Marktchancen für sich zu erschließen. Zum näheren Verständnis ist eine kurze Darlegung ökonomischer Interpretationen des Ecopreneurships hilfreich.

Wer als Entrepreneur gilt und was die Tätigkeit des Entrepreneurships im Einzelnen kennzeichnet, ist in der Theorie nicht eindeutig bestimmt. Dem "Entrepreneur" liegt das französische "entreprendre", übersetzt als "dazwischen gehen", zugrunde. Demgemäß stellen Entrepreneure eine Verbindung her, die sich auf die Überbrückung von Raum, Zeit, Risiken, Informationslücken, Versorgungsengpässen oder sonstigen Hindernissen beziehen kann. Unterschiede zum herkömmlichen Unternehmer sind dabei:

- Entrepreneure gelten eher als Gründer eines neuen Unternehmens und weniger als Führungskräfte alteingesessener Firmen. Entrepreneurship wird von vielen Autoren auf den Prozess der Unternehmensgründung beschränkt.

- Entrepreneure verhalten sich konsequent marktorientiert und hegen ambitionierte Umsatzziele. Das Streben nach Wachstum aus der Gründungsphase heraus wird als wichtiges Kriterium für Entrepreneurship gewertet.

- Entrepreneure werden von traditionellen Unternehmern und Imitatoren häufig anhand ihrer Innovationsfähigkeit abgegrenzt. Entrepreneure verändern die Geschäftswelt demnach durch neue Problemlösungen und erzielen ihr Umsatzwachstum aus den daraus resultierenden Wettbewerbsvorteilen. Sie schaffen die innovative Verbindung zwischen Erfindungen und der Marktnachfrage.

- Schließlich kann Entrepreneurship statt an sichtbaren Ereignissen wie der Unternehmensgründung an der Persönlichkeit festgemacht werden. Entrepreneure sind dann als Person nach ihrer Geisteshaltung, ihrem inneren Antrieb und Ehrgeiz charakterisiert. Aus dieser Perspektive ist Entrepreneurship am ehesten mit "Unternehmergeist" zu übersetzen. Probleme als Chancen zu werten, nach Unabhängigkeit zu streben und Kreativität zu entfalten, kennzeichnet den Entrepreneur als dynamischen Querdenker und Anpacker.

In den Wirtschaftswissenschaften fanden solche typischen Charakterzüge eines Entrepreneurs lange Zeit wenig Beachtung. Besonders in den abstrakten Gleichgewichtsmodellen der Neoklassik kam der Unternehmer als solcher nicht vor. Selbst in der Betriebswirtschaftslehre ist der Unternehmer in persona nicht immer präsent. Das Unbehagen gegenüber Phänomenen, die sich wie selbstständige Menschen in der eigenen Fachlogik kaum eingrenzen, berechnen und determinieren lassen, scheint auch in weiten Teilen der Umweltmanagementliteratur ausschlaggebend dafür zu sein, Unternehmen und Märkte unter Ausschluss von Unternehmerpersönlichkeiten zu diskutieren.

Doch ist die Zahl der Autoren und Forschungseinrichtungen, die den Entrepreneur in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten stellen, inzwischen stark angestiegen. Darunter finden sich vermehrt auch Beiträge zu ökologisch ausgerichteten Entrepreneuren, hier als Ecopreneure bezeichnet. An der Universität Lüneburg wird derzeit der weltweit erste Masterstudiengang zu Ecopreneurship aufgebaut. Im engeren Sinne ist Ecopreneurship als Gründung innovativer ökologieorientierter Unternehmen ein Prozess, der von Umsatz- oder Marktanteilszielen geleitet das Erkennen, Schaffen und Nutzen von Marktchancen von Öko-Innovationen beinhaltet. Ecopreneurship beschreibt damit den essentiellen Kern der unternehmerischen Wertschöpfung als Ausdruck persönlicher ökologieorientierter Motive und Bestrebungen. Während Umweltmanager ein etabliertes Unternehmen in der Regel verlassen können, ohne die Identität der Organisation zu gefährden, sind Ecopreneure konstitutiv für das Profil ihres Unternehmens.

Dementsprechend beschäftigt sich die Literatur zum Entrepreneurship intensiv mit der Frage, welche Eigenschaften Entrepreneure besitzen (sollten) und ob diese angeboren oder erlernbar sind. Nach empirischen Einsichten in das Gründerverhalten einzelner Personen entstehen Unternehmen aus persönlichem Tatendrang, aus Faszination durch eine Geschäftsidee, aus gesundem Zutrauen in die eigenen Stärken und aufgrund psychologischer Motive wie Freiheitsstreben oder Selbstbestätigung. Die genannten Aktivitäten und Charakterzüge eines Entrepreneurs treten im Verlauf der Existenzgründung und des Markteintritts ganz besonders zutage und werden gerade bei der Markteinführung ökologischer Dienstleistungen und Produkte alltäglich gefordert.

Ecopreneurship am äußerlich sichtbaren Prozess der Unternehmensgründung festzumachen und auf die Startphase zu beschränken halten wir jedoch für zu kurz gegriffen, denn auch in etablierten Unternehmen, die Marktwachstum anstreben und Öko-Innovationen entwickeln, ist dieser maßgebliche Antrieb zur Wertschöpfung durch kundenorientierte Umweltleistungen vorhanden. Deshalb betrachten wir Ecopreneurship im weiteren Sinne als innovative, marktorientierte und persönlich angetriebene Form der Wertschöpfung mit Öko-Innovationen und ökologieorientierten Produkten über die Gründungsphase eines Unternehmens hinaus. Dabei wollen wir Ecopreneurship nicht auf die Rolle des leitenden Firmeninhabers beschränken. Im übertragenen Sinne wird die Grundhaltung des Ecopreneurships von vielen Mitarbeitern verfolgt und kann sich, sofern Freiräume und Motivationen bestehen, im Unternehmen tatkräftig auswirken. Mitarbeiter oder Manager, die als Angestellte unternehmerisch denken und handeln, werden als Intrapreneure bezeichnet.