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2.7.2002 | Von:
Steffen Angenendt

Das Weltflüchtlingsproblem und die Vereinten Nationen

I. Die weltweite Flüchtlingsproblematik in Zahlen

Ende des Jahres 2001 war der UNHCR für den Schutz oder die Versorgung von 19,8 Millionen Menschen zuständig. Darunter befanden sich 12 Millionen als Flüchtlinge anerkannte oder mit einem humanitären Bleiberecht in anderen Ländern aufgenommene Menschen, 926 000 Asylbewerber, 463 000 in ihr Heimatland zurückgekehrte und noch befristet vom UNHCR betreute Flüchtlinge, 5 Millionen Binnenflüchtlinge, also innerhalb ihres Heimatlandes vertriebene Menschen, und 240 000 zurückgekehrte Binnenflüchtlinge. [2]

Von den weltweiten Flüchtlingen lebte Ende 2001 etwa die Hälfte in Asien, ein Viertel in Europa und ein Fünftel in Afrika. Die wichtigsten Aufnahmeländer waren Pakistan mit 2,2 Millionen, Iran mit 1,9 Millionen, Deutschland mit 900 000 und Tansania mit 670 000 Flüchtlingen. Dabei handelte es sich vor allem um afghanische (3,8 Millionen), burundische (550 000) und irakische (530 000) Flüchtlinge. Insgesamt wurde etwa eine Hälfte der 12 Millionen Flüchtlinge vom UNHCR rechtlich betreut und die andere Hälfte materiell versorgt, wobei in Asien und Afrika 70 Prozent, in Amerika 46 Prozent und in Europa 19 Prozent der Flüchtlinge materiell unterstützt wurden. Im Jahr 2001 gab es etwa 600 000 neue Flüchtlinge, 380 000 Flüchtlinge kehrten freiwillig in ihre Heimatländer zurück, und 35 000 Flüchtlinge wurden in anderen Ländern angesiedelt.

Zwei miteinander verbundene Trends kennzeichnen die mittelfristige Entwicklung der Fluchtbewegungen: Während die Zahl der Flüchtlinge seit dem historischen Höchststand von 18 Millionen Menschen im Jahr 1992 deutlich abgenommen hat, ist die Zahl der Binnenvertriebenen stark gestiegen. Derzeit leben von den weltweit 25 Millionen geschätzten Binnenflüchtlingen in Afrika 10, in Asien und Europa 5 und in Amerika 2 Millionen Menschen. [3] Hauptsächlich betroffen waren davon im Jahr 2000 Sudan mit 4 Millionen, Angola mit 3,8 Millionen, Kolumbien mit 2,1 Millionen und Kongo-Kinshasa mit 1,8 Millionen Vertriebenen. [4]

Fußnoten

2.
Vgl. UNHCR, 2001 UNHCR Population Statistics (provisional), Genf, 15. 5. 2002. Anzumerken ist, dass in diesen Flüchtlingszahlen nicht die 3,8 Mio. palästinensischen Flüchtlinge in Jordanien, Libanon, Syrien, der West Bank und dem Gazastreifen enthalten sind, da diese vom VN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNWRA) betreut werden. Zur Kategorisierung von Flüchtlingen und zur Abgrenzung und zum Zusammenhang von Fluchtbewegungen und Migration vgl. Steffen Angenendt, Wanderungsbewegungen als internationale Herausforderung, in: Jahrbuch Internationale Politik 1999/2000, München 2001.
3.
Vgl. United Nations, General Assembly, Report of the Representative of the Secretary-General on internally displaced persons, A/56/168, 21. 8. 2001.
4.
Vgl. US Committee for Refugees, World Refugee Survey 2001, Table 5.