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22.5.2002 | Von:
Reinhard Hutter

"Cyber-Terror": Risiken im Informationszeitalter

V. Ein denkbares Szenario

Die Bedrohung im Sinne eines strategisch angelegten Cyber-Wars ist "virtuell". Mögliche Akteure lassen sich nicht so leicht lokalisieren wie Raketenbasen oder Chemiefabriken. Unklar bleibt auch bis auf weiteres, was in einem Cyber-Szenario öffentliche, was private Zuständigkeit ist. Ferner: Wie ist innere und äußere Sicherheit definiert, müssen die Aufgaben des Staates und ihr Zusammenwirken mit dem Privaten Sektor neu geregelt werden? Die völkerrechtlichen Normen und Definitionen müssen für den vorhersehbaren Informationskrieg uminterpretiert werden. [8] Viele Fragen, auf die es heute noch keine Anworten gibt.

Der "Arbeitskreis Schutz von Infrastrukturen" veranstaltete vom 12. bis 14. November 2001 bei der Industrie- und Betriebsanlagengesellschaft (IABG) in Ottobrunn ein "Cyber Terror Exercise" (CYTEX) unter Beteiligung von Vertretern verschiedener Ministerien und Behörden sowie u. a. der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, der Telekom, der DB, der Polizei, des THW, eines Energieversorgers, des TÜV und Vertretern der Großindustrie. Das Szenario bestand aus einer konzertierten Serie von Attacken von innen und außen auf die IT-Systeme dieser vertretenen Branchen sowie von Großbanken im Raum Berlin mit dem Ziel einer massiven politischen Erpressung. Neben vielen Detailergebnissen führte diese Planübung zu folgenden Erkenntnissen:

- Durch Informationsangriffe lassen sich die gesamte Infrastruktur und damit das öffentliche Leben, die Funktionsfähigkeit der betroffenen Wirtschaftszweige und die politische Handlungsfähigkeit massiv in die Knie zwingen.

- Nach und nach brechen der Telefonverkehr, die Transaktionsfähigkeit von Banken, die Energieversorgung sowie der Straßen-, Schienen- und Luftverkehr zusammen. Großveranstaltungen müssen abgesagt werden, es kommt zu Panikreaktionen und erheblichen wirtschaftlichen Schäden.

- Es gab keine Zweifel, dass ein derartiges Szenario realistisch ist und so oder ähnlich eintreten kann. Es hat sich vor allem aber auch gezeigt, dass ein hoher Kooperationsgrad zwischen diesen Infrastrukturen zur Beherrschung des Szenarios unabdingbar ist.

Fußnoten

8.
Vgl. Torsten Stein/Thilo Marauhn, Völkerrechtliche Aspekte von Informationsoperationen, Studie erstellt im Auftrag der IABG, München März 1999.