Ein D-Mark Geldstück aus dem Jahr 1965

29.6.2018 | Von:
André Steiner

Werden und Vergehen der DDR-Mark

Währungssystem als Teil der Planwirtschaft

Der DNB wurden nach der Gründung der DDR die Emissions- und Girobanken und Landesbanken eingegliedert und damit das Bankensystem weiter zentralisiert. Die Notenbank unterstand nun de facto der Aufsicht des Finanzministeriums und war somit nicht unabhängig. Als "Hausbank des Staates" und als "Bank der Banken"[14] durfte die DNB laut Satzung vom Sommer 1948 zur Notendeckung Wechsel, Anleihen und Schatzanweisungen von "Organen staatlichen Charakters, Gebietskörperschaften oder sonstigen öffentlichen Institutionen" heranziehen, was die politisch intendierte Geldemission ermöglichte.[15] Neben dem alleinigen Recht zur Emission von Banknoten war die DNB für das kurzfristige Kreditgeschäft zuständig, und Anfang 1949 wurde ihr ebenso die finanzielle Abwicklung der Außenhandelsgeschäfte übertragen.[16]

Um die finanzielle Seite des Wirtschaftsprozesses in die Planwirtschaft einzubeziehen, mussten das Währungs- und Bankensystem in diese integriert und als deren Instrument eingesetzt werden. Zum einen wollte man mit seiner Hilfe den Zahlungsverkehr der Wirtschaft kontrollieren: Zu diesem Zweck wurden die Betriebe bereits 1948 verpflichtet, Konten zu führen, Zahlungen – bis auf Lohnzahlungen und Kleinhandelsumsätze – nur noch bargeldlos zu tätigen und Bargeldeingänge unverzüglich auf Konten einzuzahlen. Nur private (natürliche) Personen waren fortan berechtigt, Bargeld abzuheben. Damit hatte man starke Reglementierungsmittel gegenüber den Betrieben geschaffen und den Bargeldumlauf im Wesentlichen auf den Bereich des privaten Verbrauchs beschränkt.[17] Zum anderen sollten die Kreditvergabe und -planung zur Plankontrolle genutzt werden, und die Bank hatte ab 1952 die Finanzpläne der Betriebe zu kontrollieren, was etwas verschleiernd als "Kontrolle durch die Mark" bezeichnet wurde. Damit wurde die DNB zum "Finanzierungs- und Verrechnungszentrum der gesamten Volkswirtschaft sowie oberste Kontrollinstanz der zentral geplanten monetären und realwirtschaftlichen Prozesse".[18]

Die DDR-Mark stand von Anfang an in Konkurrenz mit der D-Mark des Westens, insbesondere in Berlin, wo die beiden Währungen nicht nur bei der DDR-Bevölkerung, sondern ebenfalls im Propagandakrieg beider Seiten direkt aufeinandertrafen. Die Medien beider Seiten versuchten wechselseitig, die andere Währung abzuqualifizieren. Das Vertrauen der ostdeutschen Bevölkerung in ihre Währung war begrenzt, und sie fürchtete einen neuen Währungsschnitt. So konnte die Festsetzung einer (überzogenen) Goldparität für die DDR-Währung nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 das Vertrauen der Bevölkerung in diese ebenfalls nicht heben; noch dazu waren ihre Münzen aus dem leichten Aluminium hergestellt, was zwar günstiger war, aber eben nicht vermochte, die "respektheischende und vertrauensfördernde Anmutungen zu evozieren", die mit hartem, schweren Münzgeld verbunden werden.[19] Entsprechend wurde die Ostmark auch als "Alu-Chip" oder "Spielgeld" bezeichnet.

Dabei hatte die DDR-Mark im Prinzip eine Warendeckung. Sie stellte Kreditgeld dar, da – wie es offiziös hieß – "die Geldemission in Form der Kreditgewährung planmäßig in Übereinstimmung mit der Entwicklung der Warenproduktion und -zirkulation erfolgt". Mit der DDR-Mark sollte der Wirtschaftsprozess einerseits geldmäßig gesichert und andererseits aktiv gestaltet werden. Die gewünschte Planmäßigkeit erforderte Währungsstabilität. Diese sollte zum einen von außen durch das staatliche Außenhandelsmonopol und Valutamonopol garantiert werden, weil damit "direkte Einflüsse der krisenhaften und inflationistischen Entwicklung des kapitalistischen Währungssystems auf die sozialistischen [Währungssysteme] bzw. ein direktes Einwirken auf den sozialistischen Reproduktionsprozess vermieden" werde.[20] Damit war die DDR-Mark eine Binnenwährung, die nur im nichtkommerziellen Bereich in begrenztem Umfang in andere Währungen umtauschbar war und die nicht als Zahlungsmittel im internationalen Handel genutzt und auf dem Devisenmarkt offiziell nicht gehandelt wurde. Auf diese Weise schirmte man die Betriebe gegenüber dem Weltmarkt ab, was aber erhebliche Probleme für ihre Innovationsbereitschaft und -fähigkeit aufwarf. Zudem entstehen aus diesen Umständen bis heute erhebliche Probleme für die Bewertung der Leistungsfähigkeit der DDR-Wirtschaft, da die Wechselkurse staatlich administriert wurden.

Zum anderen meinte die SED-Spitze die Stabilität der Währung durch die eigene Wirtschaftspolitik und das damit garantierte Wirtschaftswachstum und einer ihm entsprechenden Geldschöpfung sichern zu können. Die Geldemission sollte in enger Beziehung zum geschaffenen Nationaleinkommen stehen und so die materielle Deckung der DDR-Mark gewährleisten.[21] Jedoch erwuchs daraus das Problem, dass bei der praktizierten staatlichen Preissetzung – also keiner Preisbildung über den Markt – Ungleichgewichte zwischen Geldschöpfung und Güterangebot nicht aus dem Wirtschaftsprozess selbst heraus ausgeglichen werden konnten. Dem wollte man mit der erwähnten umfassenden Reglementierung des Bargeldverkehrs, des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und des Kreditverkehrs begegnen. Trotzdem traten solche Ungleichgewichte immer wieder auf, da die Steuerungsaufgabe zu komplex war. Insbesondere führten die weiche Budgetbeschränkung der Betriebe – also deren gemeinhin unbegrenzte Finanzierung durch den Staat – sowie das quantitativ und qualitativ unzureichende Warenangebot zu einem Kaufkraftüberhang bei der Bevölkerung, der sich in einer hohen Sparquote und aufgrund der festgeschriebenen Preise beispielsweise auch in Schwarzmärkten niederschlug.

Fußnoten

14.
H. Jörg Thieme, Notenbank und Währung in der DDR, in: Deutsche Bundesbank (Anm. 8), S. 609–653, hier S. 612.
15.
Vgl. Zschaler (Anm. 7), S. 65.
16.
Vgl. Thieme (Anm. 14), S. 613.
17.
Steiner (Anm. 2), S. 326.
18.
Thieme (Anm. 14), S. 613.
19.
Rainer Gries, Die Mark der DDR, in: Deutschland Archiv 4/2002, S. 578–594, hier S. 581f.
20.
Ökonomisches Lexikon Q-Z, Berlin (Ost) 1980, S. 550.
21.
Vgl. ebd.
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