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5.11.2003 | Von:
Alexandra Homolar-Riechmann

Pax Americana und gewaltsame Demokratisierung

Zu den politischen Vorstellungen neokonservativer Think Tanks

Schlussbetrachtung

Die empirische Betrachtung der Ideenströme neokonservativer Denkfabriken lässt deren bisweilen erstaunliche und mitunter beängstigende Forderungen und Vorstellungen erkennen. Auf Grund deutlicher Parallelen zu Strategien der derzeitigen amerikanischen Regierung mag der Eindruck entstehen, diese Ausführungen stellen eine Reflexion der aktuellen US-Außenpolitik dar und somit einen Versuch, diese allein auf neokonservative Denkfabriken und Ideenströme zurückzuführen. Dies ist jedoch genauso übertrieben wie eine zurzeit geläufige Vermutung, hinter der amerikanischen Außenpolitik könnte eine Art neokonservatives Komplott stecken. Denn beispielsweise sind viele Persönlichkeiten, die den neokonservativen Ideen zugetan sind, meist keine Neokonservativen im ursprünglichen Sinne. Zwar haben sie zweifellos viele neokonservative Ideenströme übernommen und versuchen, diese vehement über Denkfabriken zu propagieren. Dennoch gehören sie größtenteils weder zu den "klassischen" intellektuellen Neokonservativen, noch haben sie eine vergleichbare politische Sozialisation: Sie haben ihre Wurzeln nicht in der Linken. Häufig werden diese Persönlichkeiten daher auch als Neo-Neokonservative bezeichnet.

Dennoch sind bei der Betrachtung der Ideenströme neokonservativer Denkfabriken die überraschend deutlichen Gemeinsamkeiten mit außenpolitischen Konzepten zahlreicher Mitglieder der gegenwärtigen US-Administration nicht von der Hand zu weisen, wie zum Beispiel die Ablehnung internationaler Institutionen und ein weit gefasstes Nationalinteresse sowie der Glaube an das Recht zu präemptiver Kriegführung, die voranzutreibende Demokratisierung der Welt und die Vorstellung einer dauerhaften Pax American. Aber: Die Ideenströme neokonservativer Denkfabriken gehen weit über die aktuellen Strategien der US-Regierung hinaus.