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20.8.2003 | Von:
Tang Shaocheng

Das Dreiecksverhältnis zwischen den USA, der VR China und Taiwan

Schlussfolgerungen

Nach heutiger Einschätzung könnte das momentane Patt zwischen China und Taiwan noch einige Zeit fortbestehen. Die Rolle Taiwans in dieser Konstellation ist aufgrund der stetig zunehmenden Macht der VR China und der andauernden Einflussnahme der USA Schwankungen unterworfen. Nun versucht Beijing, Washington auf seine Seite zu ziehen. Diese Strategie des "fu di chou xin", des An-der-Wurzel-Packens, hat zur Zeit nur begrenzte Auswirkungen. Die Reise von Präsident Chen in die USA wäre ein neuer Prüfstein für das künftige Verhältnis der drei Staaten. Nach dem Krieg im Irak wäre Nordkorea für Beijing wieder ein Ansatzpunkt in seinem Kräftespiel mit den USA.

Doch sollte Taiwans Wirtschaftskraft sich dauerhaft verschlechtern, wird die Inselrepublik immer weniger in der Lage sein, diesem Kräftemessen standzuhalten. Somit wird sich die VR China höchstwahrscheinlich nicht dem Risiko einer militärischen Intervention aussetzen müssen, um Taiwan in den volksrepublikanischen Staat zurückzuholen. Die wirtschaftliche Entwicklung der Inselrepublik selbst dürfte Taiwans Interesse an einer friedlichen Lösung erhöhen.

Beijing betrachtet seine Beziehungen zu Taiwan im Gegensatz zu Taipei als innere Angelegenheit. Eine mögliche Lösung wäre es, das Verhältnis als "Beziehungen besonderer Art" zu deklarieren. Auf der einen Seite könnte Beijing den Anschein aufrechterhalten, dass die Integrität des chinesischen Staates nicht von der Taiwan-Frage berührt ist, und so das Gesicht wahren. Auf der anderen Seite könnte Taiwan sowohl in machtpolitischer als auch in wirtschaftspolitischer Hinsicht profitieren. Dies würde eventuell ein friedliches Arrangement ermöglichen.

Denn das Ausmaß der US-amerikanischen Einflussnahme variiert je nach weltpolitischer Lage. Letzten Endes wird das taiwanesische Volk über seine Zukunft entscheiden müssen. Wenn es sich für einen - für beide Seiten akzeptablen - Modus vivendi entscheidet, könnte dies die Krise entschärfen und der gesamten Region Frieden und Stabilität bringen. In diesem Zusammenhang könnte auch die Europäische Union eine konstruktive Rolle spielen.