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17.12.2004 | Von:
Barbara Kavemann

Kooperation zum Schutz vor Gewalt in Ehe und Beziehungen

Neue Entwicklungen und Strategien gegen Gewalt im Geschlechterverhältnis

Neue Strategien führen zu neuen Kontroversen

Als feministische Einrichtungen begannen, Kooperation mit staatlichen Institutionen zu institutionalisieren, zeigte sich, dass diese "neuen Wege", auf denen die "alten Ziele" erreicht werden sollten, nicht einfach zu begehen waren. Neu und für viele provozierend war der Vorschlag, auf den polarisierenden Begriff "Männergewalt" bzw. "Gewalt gegen Frauen" zu verzichten zugunsten der sehr viel pragmatischeren, aber konsensfähigeren Begriffe "häusliche Gewalt" oder "Gewalt in engen sozialen Beziehungen", welche die Analyse des Gewaltverhältnisses, die der erste Begriff in sich trägt, erschweren.

Ergänzend zur Unterstützungsarbeit mit den Frauen sollten täterorientierte Maßnahmen und Täterprogramme initiiert und es sollte mit Männern, die bereit sind, solche Programme durchzuführen, kooperiert werden. Dies löste die Befürchtung aus, dass sowohl die öffentliche Aufmerksamkeit als auch die finanzielle Förderung der ohnehin unzureichend ausgestatteten Angebote für die Opfer der Gewalt reduziert würden.

Eine erhebliche Umstellung bedeutete der Wechsel von einer Arbeit "von Frauen für Frauen" zu einer Zusammenarbeit mit Männern sowie von einer ausschließlich autonomen feministischen Politik zu einer Kooperation mit staatlichen Institutionen. Beispielhaft für diesen Konflikt stand die Kooperation mit der Polizei als "Repräsentantin patriarchaler Staatsgewalt" bzw. mit der Justiz oder der Ausländerbehörde, aber auch mit Vertretern und Vertreterinnen des Gesundheitssystems.[5]


Fußnoten

5.
Vgl. ebd.