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17.12.2004 | Von:
Alexandra Geisler

Hintergründe des Menschenhandels in die Prostitution mit Frauen aus Osteuropa

Am Beispiel des Menschenhandels in die Prostitution mit Frauen aus Osteuropa werden Bedeutung und Ursachen des Menschenhandels im Kontext der sich verschlechternden Lebensbedingungen sowie den Veränderungen der Geschlechterrollen aufgezeigt.

Einleitung

Das Phänomen des internationalen Menschenhandels mit Frauen wurde bereits seit der Jahrhundertwende öffentlich diskutiert, damals insbesondere nach den internationalen Kampagnen gegen White Slavery und White Slave Trade. Es lassen sich seit dieser Zeit in Bezug auf Prostitution verschiedene Positionen identifizieren: der Puritanismus,[1] die Reglementierung[2] und der Abolitionismus.[3]




Diese sich zum Teil überschneidenden Diskurse hatten Regelungsversuche auf internationaler Ebene zur Folge, die auch auf die nationalen Gesetzgebungen ausstrahlten. Bis zum Menschenhandelsprotokoll[4] diente die "Konvention zur Unterbindung des Menschenhandels und der Ausnutzung der Prostitution anderer" der Generalversammlung der Vereinten Nationen aus dem Jahre 1949, welche die Position des Abolitionismus widerspiegelte, als Modell für nationale Gesetzgebungen. Der neue Ansatz verabschiedet sich ingewisser Weise von diesem Standpunkt. Die Anwendung von Zwang wurde als grundlegendes Element von Menschenhandel in das Protokoll aufgenommen, wodurch eine Unterscheidung zwischen erzwungener und freiwilliger Migration zum Zweck der Prostitution gemacht wird.


Fußnoten

1.
Prostitution wird als sittenwidrig betrachtet (Edwin W. Sims 1910).
2.
Das "notwendige Übel" der Prostitution soll durch staatliche Regelungen geordnet und kontrolliert werden (Alexandre-Jean-Baptiste Parent-Duchatelet 1835).
3.
Die AnhängerInnen dieser Position treten für die Abschaffung ein (Josephine Butler 1875).
4.
Zusatzprotokoll zur Konvention der Vereinten Nationen zum organisierten Verbrechen, die am 15.11. 2000 angenommen wurde. Vgl. zur Konvention: Menschenrechte. Dokumente und Deklarationen, hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Kevelaer 20044, S.154 ff.