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29.10.2004 | Von:
Stephan Bierling

Die US-Wirtschaft unter George W. Bush

Ergebnisse und Ausblick

Bushs Wirtschaftspolitik stand unter dem Diktum, die politischen Fehler seines Vaters zu vermeiden. Dieser hatte die Steuern erhöht und die Uruguay-Runde des GATT und NAFTA abgeschlossen. Obwohl Bush senior damit den Grundstein zur Sanierung des Haushalts und für den Boom der neunziger Jahre legte, verlor er 1992 die Wahl, weil eine Mehrheit der Amerikaner der Ansicht war, er habe ihren wirtschaftlichen und sozialen Nöten nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet.

Sein Sohn machte alles anders: Er senkte die Steuern, erhöhte die Ausgaben und demonstrierte wirtschaftspolitische Führungskraft. Damit hat er dazu beigetragen, dass die Rezession kurz war und der Aufschwung rasch einsetzte. Ob die Wähler dies dem Präsidenten am 2. November danken werden, ist aber fraglich. Es gibt nämlich eine Diskrepanz, wie die Amerikaner die Wirtschaftslage einschätzen und was sie von Bushs Wirtschaftspolitik halten. Im August 2004 bezeichneten 85 Prozent der US-Bürger die finanzielle Lage ihres Haushalts als ausgezeichnet, sehr gut und gut. 63 Prozent hielten den Zustand der amerikanischen Wirtschaft für sehr gut oder gut. Angesichts solcher Zahlen und der Wachstumsdaten prognostiziert das bekannte Wahlvorhersage-Modell des Yale-Ökonomen Ray Fair einen Sieg von Bush mit mehr als 58 Prozent der Wählerstimmen.[15] Andererseits billigten nur 40Prozent der registrierten Wähler die Wirtschaftspolitik des Präsidenten.[16] Es könnte also sein, dass sie ihm trotz seines entschlossenen Handelns wie seinem Vater eine zweite Amtszeit verweigern.

Auf den nächsten Präsidenten warten jedenfalls eine Reihe wirtschaftlicher Herausforderungen: die Sanierung des Staatshaushalts, die Mut und schmerzhafte Maßnahmen erfordert; der Abschluss der Doha-Runde über den Widerstand vielfältiger innenpolitischer Interessengruppen hinweg; die Reform der staatlichen Altersversicherung, die Bush im Wahlkampf 2000 anzupacken versprochen hatte, aber dann nicht weiter verfolgte; ferner die Reduzierung des Handelsbilanzdefizits, um die Abhängigkeit von ausländischem Kapital zu verringern. Verglichen mit den Problemen der großen kontinentaleuropäischen Staaten oder mit denen Japans scheinen die Schwierigkeiten der amerikanischen Wirtschaft allerdings leichter beherrschbar.


Fußnoten

15.
Vgl. William Schneider, Maybe It's Not the Economy, in: NJ vom 3. 7. 2004, S. 2128. Fairs Modell ist zu finden unter (http://www.fairmodel.econ.yale.edu).
16.
Vgl. American Research Group: Half of Americans Say National Economy Getting Worse As Bush Job Approval Ratings Remain Unchanged (http://www.americanresearch group.com/economy/) (5.10. 2004).