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22.8.2005 | Von:
Katharina Belwe

Editorial

Die Soziologie befindet sich in einer schwierigen Situation. Es wird nach der Perspektive der Soziologie und danach gefragt, wie das Interesse der Öffentlichkeit an ihren Ergebnissen wieder geweckt werden kann.

Die Soziologie befindet sich in einer schwierigen Situation. Sie hat nach Auffassung führender Vertreter des Fachs zugunsten anderer Fächer wie der Politologie und der Kulturwissenschaften "an Interesse verloren" (Karl Otto Hondrich) und "als Leitwissenschaft abgedankt" (Ulrich Beck). Auch wird der Soziologie vorgeworfen, sie beschäftige sich im Wesentlichen mit sich selbst; von einer Sinnkrise ist die Rede.

Unabweisbar ist eine institutionelle Krise der Soziologie: Durch Streichung von Stellen und Kürzung von Mitteln ist die Lage des Faches an vielen Hochschulen und Universitäten kritisch. Ihr Stellenwert in Öffentlichkeit und Politik ist gesunken und sinkt immer noch. An den großen Debatten der Gegenwart sind Vertreterinnen und Vertreter der Soziologie zu wenig beteiligt, dominieren in der Disziplin doch mikrosoziologische Untersuchungen. Auch haben sich Europäisierung und Globalisierung bislang nicht adäquat in entsprechenden Forschungsvorhaben niedergeschlagen.

In welche Richtung sollte sich die Disziplin entwickeln? Wo liegt ihre Perspektive, worauf sollte sie sich in Zukunft konzentrieren, welche Rolle künftig spielen? Wie können Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler das Interesse der Öffentlichkeit wieder finden, wie ihre Leistungen besser ins Licht rücken, ihre Kompetenzen zum Tragen bringen und ihre Ergebnisse öffentlichkeitswirksamer machen? Der Weg führt nach Jürgen Kocka über die stärkere Einbettung der jeweils verfolgten Fragestellungen und Ergebnisse in breitere, praktischere, auch historische Zusammenhänge, nicht zuletzt auch über den Dialog mit dem Publikum.