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1.6.2005 | Von:
C. Katharina Spieß
Katharina Wrohlich

Kindertages- Einrichtungen: Bedarf und nachhaltige Finanzierung

Internationaler Vergleich

Im Vergleich zu anderen Ländern der EU ist die Versorgung mit staatlich geförderten Kindertageseinrichtungen in Deutschland relativ gering - dies trifft bekanntermaßen nicht auf die ostdeutschen Bundesländer zu. Insbesondere die Versorgung mit Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren und die Ganztagsbetreuung für Kinder zwischen drei und sechs Jahren ist in den westdeutschen Bundesländern im internationalen Vergleich niedrig. Die Abbildung zeigt im EU-Vergleich den Anteil der Kinder unter drei Jahren, für die ein staatlich geförderter Betreuungsplatz zur Verfügung steht. Während in den ostdeutschen Bundesländern die Versorgungsquoten im europäischen Spitzenfeld liegen, ist die Versorgung in Westdeutschland sehr niedrig, vergleichbar mit der in den südeuropäischen Ländern.

Zusätzlich zur Betreuung in Kindertageseinrichtungen gibt es Betreuungsangebote im Tagespflegebereich, durch andere bezahlte Betreuungspersonen oder durch Verwandte und Freunde. Mit wenigen Ausnahmen im Bereich der Tagespflege oder der steuerlichen Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten werden diese Betreuungsformen nicht staatlich gefördert. Informationen über deren Umfang können nicht der Kinder- und Jugendhilfestatistik, sondern Umfragedaten, wie dem Kinderpanel des Deutschen Jugendinstituts[9] oder dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) - einer für Deutschland repräsentativen Haushalts- und Personenumfrage -,[10] entnommen werden. Auf der Basis des SOEP kann so z.B. ermittelt werden, dass in Deutschland etwa sieben Prozent der Kinder unter drei Jahren von einer Tagesmutter oder einer anderen bezahlten Betreuungsperson betreut werden. Neben der bezahlten Betreuung in Tagesstätten greifen viele Eltern auf informelle, oftmals unbezahlte Betreuungsarrangements zurück. In Deutschland werden 32 Prozent der Kinder unter drei Jahren von Freunden und Bekannten betreut.[11]


Fußnoten

9.
Vgl . www.dji.de (Stand: 26. April 2005).
10.
Vgl. www.diw.de/soep (Stand: 26. April 2005).
11.
Vgl. C. Katharina Spieß/Katharina Wrohlich, Wie viele Kinderbetreuungsplätze fehlen in Deutschland, in: DIW Wochenbericht, (2005) 14, S. 223-227, oder auch ausführlicher Felix Büchel/C. Katharina Spieß, Form der Kinderbetreuung und Arbeitsmarktverhalten von Müttern in West- und Ostdeutschland, Stuttgart 2002.