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Eine Frau benutzt einen Notrufknopf, den sie am Handgelenk trägt.

9.8.2019 | Von:
Ulrike Ehrlich

Familiäre Pflege und Erwerbsarbeit. Auf dem Weg zu einer geschlechtergerechten Aufteilung?

Bedeutung von familiärer Pflege durch Personen im Erwerbsalter

Abbildung 1: Zusammensetzung von Pflegepersonen nach Geschlecht, Altersgruppe und JahrAbbildung 1: Zusammensetzung von Pflegepersonen nach Geschlecht, Altersgruppe und Jahr (© bpb)
Bisherige Berechnungen konnten zeigen, dass die Zahl aller Pflegepersonen zwischen 2001 und 2015 von 3,1 auf 4,6 Millionen gestiegen ist.[10] Abbildung 1 verdeutlicht die Bedeutung von Pflegepersonen im Erwerbsalter innerhalb der Gruppe aller Pflegepersonen. Obschon Frauen und Männer im Rentenalter zu hohen Anteilen pflegen (zusammen 32 Prozent 2001 und 2017), wird ein erheblicher Teil der familiären Pflege von Personen im Erwerbsalter – insbesondere von Frauen – erbracht: Über 40 Prozent aller Pflegepersonen sind Frauen im Alter zwischen 17 und 64 Jahren (44 Prozent 2001 und 42 Prozent 2017). Die Gruppe der pflegenden Männer diesen Alters ist deutlich kleiner (23 Prozent 2001 und 26 Prozent 2017). Trotz der zahlenmäßigen Zunahme ist die Zusammensetzung von Pflegepersonen hinsichtlich Geschlecht und Altersgruppe über die Zeit relativ stabil geblieben. Einzig eine leichte Verschiebung ist auszumachen: Die Gruppe der pflegenden Männer im erwerbsfähigen Alter ist – relativ betrachtet – etwas größer und die der pflegenden Frauen im erwerbsfähigen Alter ist etwas kleiner geworden.

Haben Männer im erwerbsfähigen Alter ihr Engagement in der familiären Pflege erhöht?

Auch bei der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist die Zahl der Pflegepersonen – trotz einiger Schwankungen – gestiegen: von 2,2 Millionen 2001 auf 2,7 Millionen 2017. Der Anteil weiblicher Pflegepersonen im erwerbsfähigen Alter an allen erwerbsfähigen Frauen betrug 2001 6 Prozent und 2017 7 Prozent, während der Anteil der männlichen Pflegepersonen an der Gesamtzahl von Männern im erwerbsfähigen Alter zwischen 2001 und 2017 um einen Prozentpunkt von 3 Prozent auf 4 Prozent gestiegen ist. Innerhalb der Gruppe der erwerbsfähigen Pflegepersonen liegt der Anteil der männlichen Pflegepersonen 2001 bei 33 Prozent und 2017 bei 38 Prozent, was darauf hindeutet, dass Frauen im erwerbsfähigen Alter zwar noch immer häufiger Hilfe- oder Pflegetätigkeiten übernehmen, Männer ihre Beteiligung in der familiären Pflege aber nicht nur absolut, sondern auch relativ betrachtet zwischen den beiden Messzeitpunkten erhöht haben.

Abbildung 2: Erwerbstätigenquote von Frauen und Männern im Alter von 17–64 Jahre nach Pflegepersonenstatus und Jahr, Angaben in ProzentAbbildung 2: Erwerbstätigenquote von Frauen und Männern im Alter von 17–64 Jahre nach Pflegepersonenstatus und Jahr, Angaben in Prozent (© bpb)
Wenngleich die Anzahl von Pflegepersonen im Erwerbsalter gestiegen ist, ist die durchschnittliche Stundenanzahl, die Frauen und Männer im erwerbsfähigen Alter für familiäre Pflege an einem Werktag aufbringen, zwischen 2001 und 2017 gesunken. Haben Frauen 2001 täglich durchschnittlich 3,0 Stunden in Hilfe- oder Pflegetätigkeiten investiert, waren es 2017 nur mehr 2,5 Stunden. Männer pflegten 2001 durchschnittlich 2,2 Stunden pro Werktag, 2017 waren es durchschnittlich 2,0 Stunden. Wie im nächsten Abschnitt ersichtlich wird, könnte ein Grund für die im Durchschnitt gesunkene Zeitaufwendung für familiäre Hilfe- oder Pflegetätigkeiten die gestiegene Erwerbsbeteiligung der Pflegepersonen im Erwerbsalter sein und die damit einhergehenden geringeren zeitlichen Ressourcen zur Ausübung von familiären Hilfe- oder Pflegetätigkeiten.

Fußnoten

10.
Vgl. Heinz Rothgang et al., Barmer Pflegereport 2017, Siegburg 2017. Diese verwendeten zur Erschließung der Pflegepersonenzahl ebenfalls SOEP-Daten. Im Unterschied zu der in diesem Beitrag verwendeten Pflegepersonen-Definition berücksichtigten sie auch jene Pflegepersonen, die ausschließlich am Wochenende pflegten. Etwa 20 Prozent aller Pflegepersonen pflegen nur am Wochenende (eigene Berechnungen).
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