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4.5.2006 | Von:
Hans-Georg Ehrhart

Fußball und Völker-
verständigung

Schlussfolgerung

Bill Shankley, der legendäre Manager des FC Liverpool, hat einmal gesagt, Fußball sei keine Sache von Leben und Tod, sondern weitaus ernster. Dabei handelt es sich natürlich um eine mit britischem Humor konnotierte, nicht ganz ernst gemeinte Übertreibung. Fußball ist weder Krieg noch ein Allheilmittel für zwischenstaatliche und gesellschaftliche Konflikte, er ist von Natur aus weder gut noch böse. Er ist das, was wir aus ihm machen. Er hat die Bedeutung, die wir ihm geben. Paul Auster ist leider nur tendenziell zuzustimmen, wenn er konstatiert: "Krieg und Revolutionen sind im Zeitalter der Medienherrschaft durch Fußball ersetzt worden."[36] Er beschreibt Fußball als den perfekten Kriegsersatz - zumindest in Europa. Es gebe zwar randalierende Fans, aber man könne die Opfer an den Fingern zweier Hände abzählen. Eine Generation früher hätten wir in Millionen gezählt.[37]

Der Krieg in Jugoslawien und die gewaltsamen Konflikte anderswo relativieren diese positive Einschätzung. Dennoch: Fußball kann weltweit gewissermaßen als Antibiotikum dienen, das bei bestimmten Symptomen zur Linderung oder Heilung von sozialen Problemen beitragen kann. Er kann politisch funktionalisiert werden, regiert aber auf keinen Fall die Welt. Fußball birgt Chancen und Risiken. Es liegt an uns, die Chancen, die er für Völkerverständigung bietet, zu nutzen.

Fußnoten

36.
Zit. in: Oliver Samson/Phillip Köster, In Ballgewittern, in: 11 Freunde, (2003) 3, S. 19.
37.
P. Auster (Anm. 4) , S. 62.