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4.5.2006 | Von:
Nils Havemann

Fußball unterm Hakenkreuz

Der DFB vor der Spaltung

Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, stand der DFB wegen der Berufsspielerfrage vor der Spaltung. Auf der einen Seite standen große Vereine wie Eintracht Frankfurt, Bayern München, die Spielvereinigung Fürth, der VfB Stuttgart, der Karlsruher FV und der VfR Mannheim, die mit ihrem Austritt aus dem DFB drohten, falls sich der Dachverband weiterhin weigern sollte, den Berufsfußball zu erlauben,[8] auf der anderen Seite befanden sich der DFB und die kleinen Vereine, die auf den Erhalt der Steuerprivilegien zur Finanzierung des breiten, aber unwirtschaftlichen Amateurbereiches angewiesen zu sein glaubten. Ihnen war die besondere Problematik der großen Clubs insofern fremd, als sie sich nicht mit den finanziellen Ansprüchen der Spitzenkicker auseinander zu setzen hatten, für deren heimliche Bezahlung aus schwarzen Kassen die verantwortlichen Vorstände teilweise strafrechtliche Konsequenzen in Kauf nehmen mussten.[9]

Hans von Tschammer und Osten, der nach der nationalsozialistischen "Machtergreifung" das Amt des Reichssportführers übernahm, entschied den Streit nach einigem Zögern zu Gunsten des DFB. Entscheidend waren für ihn keine ideologischen Vorbehalte gegen den Berufssport - im Frühjahr 1933 spielte das NS-Regime mit dem Gedanken, eine Profifußballliga zuzulassen -, sondern ihm ging es um die Tatsache, dass bei den Olympischen Spielen keine Berufssportler zugelassen sein würden. Linnemann, der im Juni 1933 zum "kommissarischen Führer der Reichsfachschaft für Fußball" ernannt wurde,[10] warnte die neuen Machthaber eindringlich vor der Umsetzung eines solchen Plans, die aufgrund der damit verbundenen Abwanderung der stärksten Kicker in den Profibereich den "Verlust einer sicheren Goldmedaille" bei den bevorstehenden Olympischen Spielen in Berlin zur Folge habe.[11] Und da das NS-Regime die Spiele in Berlin zu einer trügerischen Demonstration deutscher Friedfertigkeit, deutscher Leistungsfähigkeit und deutschen Siegeswillens auszugestalten beabsichtigte, erübrigte sich jegliche weitere Diskussion über die Einführung des Berufsfußballs.

Fußnoten

8.
Vgl. Kicker (1930), Nr. 44 vom 28. 10. 1930, S. 1758f.; vgl. umfassend zur gesamten Thematik: Nils Havemann, Fußball unter Hakenkreuz. Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz, Frankfurt/M. 2005.
9.
Bekannt wurde vor allem der Fall des Schalker Finanzobmanns Willi Nier, der sich 1930 nach der Aufdeckung von Bilanzmanipulationen im Verein aus Angst vor den strafrechtlichen Konsequenzen das Leben nahm. Vgl. dazu Stefan Goch/Norbert Silberbach, Zwischen Blau und Weiß liegt Grau. Der FC Schalke 04 im Nationalsozialismus, Essen 2005, S. 58ff.
10.
Vgl. Kicker (1933), Nr. 26 vom 27. 6. 1933, S. 1011.
11.
Stadtarchiv München, Amt für Leibesübungen 256, Denkschrift über die Notwendigkeit einer Bereinigung der Verhältnisse im deutschen Fußballsport durch Trennung von Amateur- und Berufssport, hrsg. von der Interessengemeinschaft deutscher Berufsfußballclubs im August 1947.