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4.5.2006 | Von:
Nils Havemann

Fußball unterm Hakenkreuz

Die Auflösung des DFB

Die Willfährigkeit und enge Kooperation mit dem NS-Regime verhinderten nicht, dass der DFB nach 1936 schrittweise aufgelöst wurde. Gerade aus dem fehlenden ideologischen Fundament des Verbandes erwuchs ein starkes Misstrauen der Nationalsozialisten gegenüber der Dachorganisation des deutschen Fußballs. So hielt von Tschammer und Osten den Verband für eine "typisch liberale Zweckgründung", die "eine stark international betonte Tendenz des Sports" vertreten habe.[20] Ähnlich urteilte auch Bruno Malitz, der im "Dritten Reich" bis zum NSDAP-Kreisleiter von Görlitz avancierte und als einer der wichtigsten nationalsozialistischen Sportideologen galt. Er führte in seiner programmatischen Schrift "Die Leibesübungen in der nationalsozialistischen Idee" den deutschen Fußball und insbesondere den DFB als Beispiel für eine aus seiner Sicht vollkommen fehlgeleitete Entwicklung des deutschen Sports an.

Malitz ärgerte sich besonders über die große Bedeutung des Geldes im Fußball, die den Drang zur Völkerverständigung verstärke: "Man sieht ja auch, wie der Deutsche Fußball-Bund sich um die Not seiner Vereine bekümmert. Nämlich gar nicht. Er legt Gelder auf 'die hohe Kante', seine Vereine gehen an großen Lasten zu Grunde. Er baut statt dessen große Verwaltungsgebäude. Er veranstaltet Länderspiele, deren Notwendigkeit nicht einzusehen ist, lässt sich als gemeinnützig Steuerfreiheit geben - aber die Arbeitslosenausweise gelten nicht. Es würde weiß Gott dem Deutschen Fußball-Bund aber auch gar nichts schaden, wenn er tüchtig Vergnügungssteuer zahlen würde; denn er ist Kapitalist."[21]

Angesichts dieser massiven Vorbehalte war es folgerichtig, dass das NS-Regime nach dem Erlöschen des Olympischen Feuers über den Berliner Wettkampfstätten dazu überging, den DFB aufzulösen. Schrittweise wurde der Verband ab 1936 liquidiert, sein Personal reduziert und durch ein Reichsfachamt für Fußball ersetzt, das unter der direkten Befehlsgewalt des Reichssportführers von Tschammer und Osten stand. Die Verstaatlichung des deutschen Fußballs kam auch darin zum Ausdruck, dass nach der formalen Auflösung des DFB im April 1940 sein Vermögen an den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) überschrieben werden musste.

Fußnoten

20.
Bundesarchiv Berlin, NS 8/177, von Tschammer und Osten: Situationsbericht über die Neugestaltung der Leibesübungen in den Jahren 1933-1935.
21.
Bruno Malitz, Die Leibesübungen in der nationalsozialistischen Idee, München 1933, S. 59.