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5.10.2007 | Von:
Matthias Richter
Klaus Hurrelmann

Warum die gesellschaftlichen Verhältnisse krank machen

Was ist für gesundheitliche Ungleichheit verantwortlich?

Der gesicherte Nachweis eines Zusammenhangs zwischen sozioökonomischem Status und Gesundheit darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Forschung bis heute noch weit davon entfernt ist, eine eindeutige Erklärung für den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit liefern zu können. Da das Einkommen ebenso wie der Berufs- und Bildungsstatus für sich genommen beschreibende und keine erklärenden Größen sind, müssen dementsprechend die Faktoren und Einflüsse untersucht werden, die zwischen der Sozialstruktur und dem Auftreten von Krankheiten liegen. Zudem ist eine Ursachenanalyse eine wesentliche Voraussetzung für gesundheitspolitische Empfehlungen. Ohne die Kenntnis und das Verständnis möglicher Ursachen ist es auch nicht möglich, über Maßnahmen nachzudenken, wie diese Ungleichheiten verringert werden können. Erst auf Grundlage dieser Erkenntnisse kann die Entwicklung und Implementation von Maßnahmen zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit erfolgen.

Für die Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit sind die vorliegenden Daten aus zwei Gründen bemerkenswert.[8] Zum einen besteht ein stufenweises Gefälle in der Krankheits- und Sterblichkeitsrate, das heißt, der Gesundheitszustand jeder Gruppe ist schlechter als der in der hierarchisch nächsthöheren. Dementsprechend geht es bei der Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit nicht um die Frage, warum es einen Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheitsbeeinträchtigungen gibt. Es geht vielmehr um die Frage, warum es ein soziales Gefälle gibt, das sich quer durch die gesamte Gesellschaft zieht. Zum anderen ergibt sich aus den Forschungsergebnissen eine Allgemeingültigkeit über die Ursachen für Erkrankungen und Sterblichkeit. So zeigt sich bei der überwiegenden Anzahl von Krankheiten bzw. Todesursachen ein gleichbleibendes Muster der Verteilung, das auf allgemeine krankheitsübergreifende Verursachungsfaktoren hinweist.

Fußnoten

8.
Vgl. Michael G. Marmot, Das gesellschaftliche Muster von Gesundheit und Krankheit, in: Gert Kaiser u.a. (Hrsg.), Die Zukunft der Medizin - Neue Wege zur Gesundheit, Frankfurt/M. 1996.