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5.10.2007 | Von:
Matthias Richter
Klaus Hurrelmann

Warum die gesellschaftlichen Verhältnisse krank machen

Erklärungsmodelle gesundheitlicher Ungleichheit

Inzwischen liegen zahlreiche Modelle vor, die für diese Ansätze einen theoretischen Bezugsrahmen hergestellt haben. Diese Modelle unterscheiden sich zwar in ihrer Komplexität, gemeinsam ist ihnen aber, dass sie verschiedene Ebenen und Verknüpfungen berücksichtigen.[15] Als ein Beispiel ist in Abbildung 2 (vgl. PDF-Version) ein vereinfachtes Modell zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit von Johan P. Mackenbach (2006) dargestellt.

Im Modell wird davon ausgegangen, dass gesundheitliche Ungleichheiten in erster Linie durch einen Effekt des sozioökonomischen Status auf die Gesundheit entstehen, dass ein geringer sozioökonomischer Status also eine größere Gesundheitsgefährdung verursacht und nicht umgekehrt. Der sozioökonomische Status hat jedoch keinen direkten Effekt auf den Gesundheit, sondern beeinflusst sie über spezifische ungleich verteilte "Risikofaktoren" (materielle, verhaltensbezogene und psychosoziale Faktoren). Die drei intermediären Gruppen von Determinanten stehen zudem in einer engen Beziehung. Die Pfeile von materiellen und psychosozialen Faktoren auf das Gesundheitsverhalten sollen beispielsweise verdeutlichen, dass sie sowohl einen direkten als auch einen indirekten - über Verhalten vermittelten - Einfluss auf die Gesundheit besitzen.[16]

Fußnoten

15.
Für Deutschland zum Beispiel Günter Steinkamp, Soziale Ungleichheit in Morbidität und Mortalität. Oder: Warum einige Menschen gesünder sind und länger leben als andere, in: Wolfgang Schlicht/Hans-Hermann Dickhuth (Hrsg.), Gesundheit für alle - Fiktion oder Realität, Schorndorf 1999; Andreas Mielck, Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Empirische Ergebnisse, Erklärungsansätze, Interventionsmöglichkeiten, Bern 2000.
16.
Vgl. Matthias Richter/Andreas Mielck, Strukturelle und verhaltensbezogene Determinanten gesundheitlicher Ungleichheit, in: Zeitschrift für Gesundheitswissenschaften, 3 (2000), S. 198 - 215.