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5.10.2007 | Von:
Christine Hagen
Bärbel-Maria Kurth

Gesundheit von Kindern alleinerziehender Mütter

Die KiGGS-Studie

Mit dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts werden bundesweit repräsentative Informationen zu vielen wichtigen Facetten der gesundheitlichen Entwicklung im Kindes- und Jugendalter bereitgestellt. Aufgrund seines großen Stichprobenumfangs ermöglicht der KiGGS tief gegliederte Analysen, auch für spezifische Bevölkerungsgruppen wie Kinder in Einelternfamilien. An der Studie, die vom Bundesministerium für Gesundheit und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wurde, haben zwischen Mai 2003 und Mai 2006 insgesamt 17 641 Jungen und Mädchen im Alter von 0 bis 17 Jahren sowie deren Eltern teilgenommen.[11] Zu den Themenschwerpunkten der Befragung zählten die körperliche und psychische Gesundheit, das subjektive Befinden, die gesundheitsbezogene Lebensqualität, das Gesundheitsverhalten und die gesundheitliche Versorgung. Zudem gab es noch ein ärztliches Interview und eine medizinische Untersuchung der Kinder und Jugendlichen.[12]

Vor dem Hintergrund unterschiedlicher altersspezifischer Entwicklungsaufgaben und Gesundheitsrisiken von Kindern wird in diesem Beitrag der Schwerpunkt auf die Gesundheit von Drei- bis Zehnjährigen in Ein- und Zweielternfamilien gelegt.[13] Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass es sich zumeist um die elterliche Einschätzung des Gesundheitszustandes der Kinder handelt und diese nicht nur vorhandene Beschwerden der Kinder, sondern auch gesundheitsbezogene Einstellungen, Wahrnehmungen und Bewertungen der Eltern widerspiegelt. Andere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass Mütter, die ihre Lebenssituation als belastend wahrnehmen, das Verhalten ihrer Kinder häufiger als abweichend beurteilen.[14] Bedeutsam für die Wahrnehmung von Verhaltensauffälligkeiten scheint dabei weniger die objektive soziale Lage der Eltern als deren subjektive Wahrnehmung von sozialen oder finanziellen Problemen zu sein.

Fußnoten

11.
Vgl. Bärbel-Maria Kurth, Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS): Ein Überblick über Planung, Durchführung und Ergebnisse unter Berücksichtigung von Aspekten eines Qualitätsmanagements, in: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 50 ( 2007), S. 533 - 546.
12.
Zum gesamten Erhebungsprogramm von KiGGS vgl. ebd.
13.
Die Analysen bleiben aufgrund der geringen Anzahl alleinerziehender Väter auf Kinder alleinerziehender Mütter beschränkt. Die Vergleichsgruppe wird durch Kinder gebildet, die mit beiden leiblichen Eltern aufwachsen.
14.
Vgl. Sonja Arnholf-Kerri/Jürgen Collatz, Besteht bei Müttern ein Zusammenhang zwischen psychischem Befinden, negativen Stressverarbeitungsstrategien und der Wahrnehmung kindlicher Verhaltensauffälligkeiten? Reanalyse der Daten aus Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen für Mütter und ihre Kinder, in: Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 72 (2006), S. 165 - 171; Stefanie Sperlich/Jürgen Collatz, Ein-Elternschaft - eine gesundheitsriskante Lebensform? Reanalyse der Daten aus Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen für Mütter und ihre Kinder, in: ebd., S. 127 - 137.