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5.10.2007 | Von:
Ines Heindl

Ernährung, Gesundheit und soziale Ungleichheit

Vermittlungsmodelle gesunder Ernährung - Botschaften und Zielgruppen

Die Krankheitsfolgen im Nahrungsüberfluss reicher Länder haben beispielsweise zu Aufklärungskampagnen geführt, auf die sich die Ernährungsexperten weltweit verständigen konnten (vgl. Abbildung 1der PDF-Version).

Die zentrale Botschaft der "5-am-Tag-Kampagne", wonach fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag gegessen werden sollen, ist in ihrer kurzen inhaltlichen und bildlichen Aussage konzeptionell gelungen. Und dennoch ist sie ein Beispiel dafür, dass solche Aufklärungsbemühungen offensichtlich vor allen bei jenen Zielgruppen auf fruchtbaren Boden fallen, die bereits über ein gutes Ernährungswissen verfügen und in deren Lebensstil das gewünschte Verhalten passt. Armutsstudien, die sich auf Fragen des Einkaufs- und Ernährungsverhaltens einkommensschwacher Haushalte konzentrieren,[15] belegen, dass Sorgen und Probleme in Armutshaushalten nicht vordringlich die gesunde Ernährung betreffen: "Ich kaufe, was billig ist, und wo viel drin ist." "Gesundes Essen ist Luxus - Menge und Sattwerden zählen." "Wir kennen die Risiken der Zukunft, aber wir wollen Vorteile jetzt." "Frisches Obst und Gemüse ist zu teuer, man kann es nicht lagern." "Also mal ehrlich, über sowas [Ernährung] hab ich noch nie nachgedacht."

In Haushalten, in denen tägliche Routinen von der Beschaffung ausreichender Nahrungsmengen bestimmt sind, die billig und lagerfähig sind, begleitet von der Monotonie: Kartoffeln, Nudeln, Margarine, billige Wurstwaren, Gemüse in Dosen, werden Produkte gesunder Ernährung zu Luxusartikeln. Je länger die Armut das Leben der Familien bestimmt, umso geringer wird das Interesse an entsprechenden Botschaften.

Fußnoten

15.
Vgl. S. H. Lehmkühler, Die Gießener Ernährungsstudie über das Ernährungsverhalten von Armutshaushalten (GESA) - qualitative Fallstudien, Gießen 2002 (Dissertation).