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5.10.2007 | Von:
Ines Heindl

Ernährung, Gesundheit und soziale Ungleichheit

Gesundheitsbezogene Ernährungsbotschaften - Diskurse der Gesellschaft

Da die Gesellschaften ein Interesse daran haben, Zusammenhänge und Probleme von Armut, Gesundheit und Krankheit langfristig zu lösen, jedoch die beschrittenen Wege der Gesundheitskommunikation durch Information und Aufklärung nicht zum Erfolg führen, scheint es lohnenswert zu sein, sich weitergehende Konfliktfelder der Kommunikation näher anzusehen.

Beispielhaft möchte ich hier auf widersprüchliche Ebenen gesellschaftlicher Diskurse eingehen. Die jeweiligen Argumente von Vertretern unterschiedlicher Interessengruppen führen ganz offensichtlich zu Kommunikationskonflikten und verhindern lösungsorientierte Dialoge.

Zusammenstellung 3: Gesundheit und Krankheit - gesellschaftliche Diskurse[16]


  • Moralische und ethische Argumentation: "Die beste Therapie steht jedermann zu, man kann arme, ungebildete Menschen nicht ausschließen."
  • Der ökonomische Standpunkt: "Die Kassen sind leer, wir müssen sparen."
  • Sichtweise medizinischer Experten: "Die Menschenrechte und der Hippokratische Eid binden den Arzt und das Gesundheitswesen an Aufgaben der Lebenserhaltung und -verlängerung."
  • Simplifizierung durch Bildung von Archetypen: "Ich zahle monatlich 300 Euro in die Krankenkasse ein: Das Geld steht mir als Gesundheitsleistung zu."
  • Laienverständnis: "Wir leben jetzt, wollen essen und genießen - gesund leben, bedeutet Verzicht."
  • Mediendiskurs: "Konfrontation, meist auf der Basis von widersprüchlicher Expertenmeinung, belebt das Gesundheitsgeschäft, erhöht die Einschaltquoten und Auflagen."

    In der gegenwärtig schwierigen Phase der Präsentation immer neuer Reformideen in Deutschland, die auf der Seite der Betroffenen von Ängsten vor Verzicht und Verlusten begleitet werden, erscheinen die Standpunkte dieser Diskursebenen unvereinbar. Die Konfliktparteien argumentieren im Sinne ihrer jeweiligen Interessen und nicht zur gemeinsamen Lösungsfindung.

  • Fußnoten

    16.
    Vgl. I. Heindl (Anm. 8).