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30.7.2007 | Von:
Stefanie Reiter
Richard Wolf

Politische Bildung für Migrantinnen und Migranten

Ergebnisse

Die Frage nach den Adressaten für Maßnahmen zur politischen Bildung für Migranten kann nicht pauschal beantwortet werden. Die Zielgruppe "Migranten" gibt es nicht. Dafür sind die potenziellen Zielgruppen viel zu heterogen. Im Hinblick auf bestehende Konzepte und Projekte zur politischen Bildung für Migranten lassen sich folgende Ergebnisse festhalten.

Im sehr heterogenen Feld von Trägern und Angeboten der politischen Bildung für Migranten lassen sich zwei grundlegende Typen von Maßnahmen identifizieren: primär auf Wissensvermittlung abzielende Kurse und Seminare sowie vorwiegend eine Stärkung der Migrantenselbstorganisation anvisierende Maßnahmen. Besonders erfolgversprechend scheinen Maßnahmen, die Wissensvermittlung mit Anwendungsbezug und stark aktivierenden Elementen verknüpfen.

Nach wie vor ist sehr wenig über die Teilnehmenden an politischen Bildungsaktivitäten aus den Kreisen der Migranten bekannt. Insgesamt lassen sich gebildete Personen mit ausreichenden Deutschkenntnissen, die bereits weitgehend in andere gesellschaftliche Bereiche integriert sind, am ehesten für politische Bildung gewinnen. Hier können auch theoretische Themen Anklang finden. Bei bereits vorliegenden politischen Interessen und der Bereitschaft zur Partizipation liefern vor allem individuell abgestimmte Empowermentansätze Wissen und Anregungen zur praktischen Umsetzung.

Bei Migranten ohne ausreichende Deutschkenntnisse und einer oft erst kurzen Verweildauer im Land können stark am Lebenskontext orientierte und auch Alltagswissen vermittelnde Angebote nachgefragt werden. Hier kann es sinnvoll sein, Angebote für spezifische Gruppen zu konzipieren und in der Herkunftssprache der Teilnehmer abzuhalten bzw. als zweisprachiges Modul - zum Beispiel auch im Rahmen von sprachvermittelnden Kursen - anzubieten. Die Kombination von politischen Inhalten mit Sprachförderung, sozialem Austausch oder Freizeitaktivitäten ist ebenfalls ein wirksamer Weg, um politisch wenig interessierte Teilnehmer an politische Bildung heranzuführen.

Es ist wichtig, eine exakte Bedarfsanalyse im lokalen Umfeld durchzuführen, um Interessentengruppen aufzuspüren. Dabei reicht es nicht aus, die soziodemographische Verteilung im Einzugsgebiet der Angebote zu betrachten. Es müssen vielmehr Informationen über Interessen, Bedürfnisse und auch Weiterbildungsschranken erfasst werden. Bei diesem Vorgehen ist die Zusammenarbeit mit lokalen Einrichtungen, die von Migranten aufgesucht werden, sowie mit Migrantenselbstorganisationen unerlässlich. Der Erfolg von Angeboten hängt jedoch nicht nur davon ab, ob passende Angebote vorhanden sind, sondern auch davon, ob diese Angebote vorteilhaft kommuniziert werden und Weiterbildungsbarrieren abgebaut werden können. Als erfolgreich hat sich der Einsatz von "Brückenmenschen" erwiesen, da diese über persönliche Ansprache einen Zugang zu potenziellen Teilnehmern generieren können. Auch spielen geschulte Mitarbeiter von Beratungsstellen oder Kulturzentren, die im besten Fall ohnehin von Migranten aufgesucht werden, eine wichtige Rolle in der Bildungsberatung. Die Bereitstellung von Kinderbetreuungsangeboten kann zum Abbau von Motiven der Nicht-Teilnahme an bildungspolitischen Veranstaltungen beitragen, da gerade für Frauen das Vorhandensein solcher Angebote oft für die Entscheidung zur Teilnahme an einer Maßnahme relevant ist.

Auch die mit dem Kursangebot verbundenen Kosten können ein ernsthaftes Hindernis für die Teilnahme darstellen. Hier ist es wichtig, Fördermöglichkeiten zu finden, um Maßnahmen kostengünstig und möglichst kontinuierlich anbieten zu können. Denn nur eine Kontinuität von Trägern und Angeboten ermöglicht die Schaffung von Netzwerken und Kooperationen mit Migrantenselbstorganisationen. Im Rahmen von kontinuierlichen Strukturen können Erfahrungen mit der Ausgestaltung von Angeboten gesammelt und sinnvolle Zugangsstrategien entwickelt und erprobt werden. Eine systematische Erfassung von Angaben zu Kursteilnehmern und die Evaluation des Erfolgs von Maßnahmen sind weitere notwendige Schritte zur Gestaltung zielgruppengerechter Angebote.