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29.6.2007 | Von:
Dirk Baier
Christian Pfeiffer

Hauptschulen und Gewalt

Hauptschüler treten häufiger im Bereich des Gewaltverhaltens und des Schulschwänzens in Erscheinung. Es besteht Anlass, die derzeitige Schulstruktur zu überdenken.

Einleitung

Die These, die Hauptschule sei eine "Restschule", ist nur partiell richtig. Zwar wurden nach Angaben der hannoverschen Schulbehörde nur 5 Prozent der Kinder von den Eltern der Grundschulabsolventen für die Hauptschule angemeldet. Aber es gibt auch Städte und Regionen mit einer weit höheren Hauptschulquote. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) hat im Jahr 2005 bei einer Repräsentativbefragung von Schülerinnen und Schülern[1] neunter Klassen etwa für Schwäbisch Gmünd eine Quote von 32,3 Prozent ermittelt.








Nicht zu übersehen ist freilich, dass die Längsschnittentwicklung auf eine abnehmende Bedeutung dieses Schultyps hinweist. Im Schuljahr 1960/61 besuchten in den westdeutschen Bundesländern 67,9 Prozent die Hauptschule, 20 Jahre später waren es noch 38 Prozent,[2] und im Schuljahr 2004/2005 besuchten bundesweit nur noch 23 Prozent der Schüler der Klassenstufe 7 diese Schulform.

Diese Entwicklung offenbart ein Problem: Je stärker in einer Region die Quote der Hauptschüler sinkt, umso höher wird der Anteil der Schüler an Hauptschulen ausfallen, die aus sozial randständigen Familien kommen. Und dies wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern ihre Bemühungen verstärken werden, ihr Kind beim Übergang zur Sekundarstufe in einem anderen Schultyp unterzubringen - was den negativen Trend weiter verstärkt. Angesichts dieser Situation versuchen einige Bundesländer wie etwa Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern, dieser Entwicklung durch gezielte Programme zur Stärkung von Hauptschulen entgegenzuwirken. Noch ist offen, welchen Erfolg sie damit erzielen.

Fußnoten

1.
Wenn im weiteren Verlauf nur noch von Schülern die Rede sein wird, so sind immer Schülerinnen und Schüler gemeint.
2.
Vgl. Ernst Rösner, Das Schulsystem in Deutschland, Hamburg 1999, S. 51.