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2.3.2007 | Von:
Wolfgang Frindte
Siegfried Preiser

Präventionsansätze gegen Rechts-
extremismus

Qualitätskriterien

Die Sektion Politische Psychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) hat in einer Serie von Expertengesprächen und Fachkonferenzen einen Kriterienkatalog entwickelt, der dazu dient, die Qualität von Präventions- und Interventionsprogrammen systematisch begutachten, bewerten und zertifizieren zu können.[20] Der Kriterienkatalog berücksichtigt allgemein akzeptierte Standards einer ziel- und handlungsorientierten Planung, Qualitätssicherung und Evaluation von Maßnahmen. Zur Umsetzung des Qualitätssicherungsverfahrens hat die Sektion Politische Psychologie einen wissenschaftlichen Expertenbeirat für ihr Projekt "Prävention von Gewalt, Rechtsextremismus und interkulturellen Konflikten" eingerichtet.

Die folgenden Kriterien lassen sich auf unterschiedliche Themen übertragen; sie wurden hier für das Problem des Rechtsextremismus formuliert.

Zielklärung: Der Handlungsbedarf muss aus der Feststellung von Risiken bezüglich rechtsextremistischer Tendenzen und der Formulierung von Zielen abgeleitet werden. Es muss geklärt werden, was konkret verändert werden soll (z.B. Wissen, Einstellungen und Vorurteile, soziale Kompetenzen).

Zielgruppe: Die Zielgruppe muss beschrieben werden; der spezifische Bedarf ist zu begründen. Überlegungen zur Erreichbarkeit, Teilnahmemotivation und zu Teilnahmehindernissen sollten formuliert werden.

Theoretische Grundlagen: Theoretische Annahmen über die Entstehungs- und Veränderungsbedingungen von Rechtsextremismus und Gewalt sind zu berücksichtigen.

Maßnahmenbeschreibung: Die Methoden der Intervention, die einzusetzenden Medien und die organisatorischen Rahmenbedingungen sind genau zu beschreiben und hinsichtlich der zu erwartenden Wirkungen zu begründen. Es sollte erläutert werden, wie die Akzeptanz der Maßnahme und die Teilnehmermotivation sichergestellt wird.

Fachliche und didaktische Kompetenzen: Die erforderlichen Kompetenzen der Durchführenden (z.B. Trainerinnen und Trainer) sind zu benennen.

Evaluation: Eine formative Evaluation muss in die Programmentwicklung, -anwendung und -optimierung integriert werden. Vorschläge für eine summative Wirkungsevaluation sollten gemacht werden. Der Verlauf des Projektes und die Evaluationsergebnisse sind zu dokumentieren, Schlussfolgerungen für die weitere Arbeit sollten abgeleitet werden.

Preis-Leistungs-Verhältnis (Effizienz): Die Kosten und Nebenkosten sind zu kalkulieren. Der erwartete Nutzen und dessen Nachhaltigkeit sind nach Möglichkeit zu quantifizieren. Potenzielle positive und negative Nebeneffekte sollten berücksichtigt werden.

Entwickler und Anbieter von Präventions- und Interventionsprogrammen können ihre Angebote an diesen Kriterien orientieren und dadurch transparent machen. Auftraggeber können - unter Hinzuziehung von fachlich-psychologischer Kompetenz - Angebote nach eben diesen Kriterien bewerten und vergleichen. Die Anwender des Kriterienkatalogs sollten mit den theoretischen Grundlagen von Rechtsextremismus, Gewalt und Prävention vertraut sein und methodische Kenntnisse bezüglich Qualitätssicherung und Evaluation haben.

Die Sektion Politische Psychologie im BDP bietet in Kooperation mit ihrem Expertenbeirat an, Projektanträge für die Auftraggeber anhand der veröffentlichten Kriterien zu begutachten und Projekte zu bewerten. Dies umfasst eine differenzierte Begutachtung des Programms hinsichtlich der Qualitätskriterien, eine detaillierte Rückmeldung über besondere Stärken und Schwachstellen, Empfehlungen zur Ergänzung oder Überarbeitung des Programms, Hinweise zur Durchführung von Evaluationsuntersuchungen sowie eine Zertifizierung in Form einer Qualitätsbeurteilung.

Auftrag- oder Finanzgeber und Entwickler von Programmen und Maßnahmen der Gewaltprävention sind dringend dazu aufgerufen, in verstärktem Maße systematische Verfahren der vorausschauenden Qualitätssicherung und der begleitenden und bilanzierenden Wirkungskontrolle einzusetzen und dabei psychologischen Sachverstand zu nutzen.


Internetempfehlungen der Autoren
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Internet: www.bdp-politische.de/

Beccaria-Programm, Qualität in der Kriminalprävention
Internet: www.beccaria.de/

Fußnoten

20.
Vgl. Siegfried Preiser/Ulrich Wagner, Gewaltprävention und Gewaltverminderung: Qualitätskriterien für Präventions- und Interventionsprogramme, in: Report Psychologie, 28 (2003) 11/12, S. 660 - 666; siehe auch www.bdp-politische.de/ aktuell/ guetesiegel.html (1.2. 2007). Für die Kriminalprävention wurden vergleichbare Kriterien als "Beccaria-Standards" publiziert: www.beccaria.de (1.2. 2007).