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4.1.2007 | Von:
Peter E. Fäßler

Innerdeutscher Handel als Wegbereiter der Entspannungspolitik

Resümee

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR wandelten sich während der 1950/60er Jahre von einem emotionalisierten, politisch aufgeladenen Handlungsfeld zu einem nüchternen Forum deutsch-deutscher Kontakte. Sicherlich begünstigte der Umstand, dass die zahlreichen Versuche ihrer politischen Instrumentalisierung ausnahmslos scheiterten, diesen Prozess. Weder gelang es der Bundesregierung, über Wirtschaftssanktionen substanzielle Zugeständnisse auf anderen Gebieten zu erzielen, noch zeigten die Bemühungen des SED-Regimes zur Durchsetzung der Zwei- bzw. Drei-Staaten-These irgendeinen Erfolg.

Umgekehrt offenbarten die ökonomischen Akteure beiderseits des "Eisernen Vorhangs" Ende der 1950er Jahre wachsendes Interesse am innerdeutschen Handel und ignorierten immer häufiger politische Vorgaben. Während Volkseigene Betriebe nach wie vor und gegen den Willen des SED-Politbüros bundesdeutsche Produktionsgüter und Industrieanlagen jenen osteuropäischer Herkunft vorzogen, drängten westdeutsche Firmen mit Macht nach Osten, um Absatzmärkte gegen ihre westeuropäischen Konkurrenten zu verteidigen.

Durch diesen unternehmerischen "Eigensinn" geriet die Bundesregierung wegen ihrer restriktiven Handelspolitik unter Zugzwang, zumal die Regierungen in London, Paris und Rom den Osthandelsinteressen ihrer Unternehmen zunehmend auch politische Rückendeckung gewährten. So erklärt sich, dass nach dem Fiasko im Herbst 1960, als ohne politisches Konzept das Berliner Abkommen erst gekündigt und dann nahtlos weitergeführt wurde, das Bundeswirtschaftsministerium den strategischen Richtungswechsel in der deutsch-deutschen Wirtschaftspolitik durchsetzen konnte.