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Männer in historischen Uniformen laufen anlässlich der Nachstellung der Völkerschlacht bei Leipzig 2019 an einem Dixi-Klo vorbei. Mitglieder militärhistorischer Vereine marschieren zum Gelände für die Nachstellung der historischen Gefechte der Völkerschlacht in der Nähe von Liebertwolkwitz. Mehrere hundert Akteure in Uniformen begehen den 206. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig und gedenken der zahllosen Opfer. Im Herbst 1813 tobte vor den Toren der Stadt die größte und blutigste Feldschlacht bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Jahrestage, Gedenktage, Jubiläen

50 Jahre dies, 100 Jahre das: Kritik an der "Jahrestagisierung" von Geschichtswissenschaft, historisch-politischer Bildung und Geschichte in der Öffentlichkeit insgesamt ist nicht neu. Ein vollständiger Ausstieg aus dem Jahrestagskarussell scheint indes schwierig und ist, je nach Anlass, auch nicht wünschenswert.

Jahrestage versprechen planbare Öffentlichkeit für historisches Wissen und bieten, insbesondere als institutionalisierte Gedenktage, Staat und Gesellschaft Gelegenheit, innezuhalten. Ob damit stets historischer Erkenntnisgewinn und eine gründliche Selbstbefragung einhergehen, mag hingegen bezweifelt werden. Es gilt, Routinen bis hin zur Erstarrung beim Begehen der immergleichen Gedenktage und Jubiläen vorzubeugen.

Anne Seibring

Editorial

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